Junghundeseminar bei Carolin

Gestern war es so weit, das Junghundeseminar bei Carolin fand statt, nachdem der letzte Termin leider nicht geklappt hatte.

Wir waren insgesamt fünf Hunde: Zwei Flats, zwei Labbies und ein Golden. Also eine super Gruppengröße. Alle waren sehr nett und entspannt, nur unter der Kälte hatten wir alle zu leiden. Das Wetter war zwar traumhaft schön, mit Schnee und Sonne, aber leider auch seeeeeeehr kalt.

Zunächst sollte jeder Hund einzeln aus dem Auto geholt werden und bei Fuß eine Runde über den Hof gehen, wo bereits die anderen Menschen herumstanden. Frieda und ich kamen als letzte dran, was ich super fand – schließlich wird bei uns das Warten gerade großgeschrieben! Vielen Dank nochmal dafür, liebe Carolin. 🙂 Zu Beginn ging es mehr schlecht als recht. Es war keine einzige Katastrophe, aber Frieda war einfach aufgeregt, und wenn Frieda aufgeregt ist, ist sie unkonzentriert und hibbelig. Da meine Ansprüche an das erste Gruppentraining seit langem aber auch sehr gering waren (Erwartungshaltung und so) haben wir die Runde ohne Aufreger hinter uns gebracht. Danach ging es erneut ab ins Auto. Ich glaube, Frieda war schon an dieser Stelle äußerst irritiert.

Anschließend sollten alle Hundeführer mit Hund nacheinander in einer Reihe Aufstellung nehmen. Wir wieder als letzte, an dieser Stelle klappte es schon ganz gut. Frieda begab sich brav in Grundstellung neben mich, auch wenn sie ihren langen Gänsehals natürlich gerne in Richtung der anderen Hunde reckte. Beim nachfolgenden Marsch auf die Trainingswiese hatten wir jedoch schon mehr Probleme. Das Fußgehen hinter anderen her ist bisher nun wirklich nicht unsere Stärke. Frieda lief ständig schneller, sodass ich dauernd stehen bleiben musste. In solchen Momenten könnte ich ihr schon ordentlich die Ohren waschen, wenn sie nur noch fixiert und ich kaum an sie rankomme. Also keine Sorge, sie zieht nicht wie ein Ochse in solchen Situationen, aber sie ist dann auch definitiv nicht bei mir…. 😦 Also sind wir letztlich umgedreht und von hinten auf die Wiese gekommen, das ging dann eigentlich ganz gut, auch wenn ich den blöden Fehler gemacht habe, Frieda ein Mal zu loben, obwohl sie ihre Nase gerade zum Schnüffeln am Boden hatte. Tja, Timing halt.

Jetzt wurde es spannend. Wir haben Aufstellung in einem Kreis genommen, und jeder sollte zunächst im Fuß Slalom an den anderen vorbei laufen. Das hat gut geklappt, auch wenn die Versuchung besonders für die sitzenden Hunde schon groß war. Ich habe zur Ablenkung mit Frieda die Schau-Übung gemacht, und so versucht, sie an mich zu binden, während die anderen an uns vorbei liefen. Das ging prima. Danach musste jeder Hundeführer seinen Hund einzeln ableinen und ohne Hund in die Kreismitte gehen, um Carolin zu begrüßen, während der Hund sitzen blieb. Das haben alle Hunde – einschließlich Frieda – ebenfalls gut gemacht.

Bei der nachfolgenden Übung zeigte Frieda das erste Mal, warum sie so eine besondere kleine Friedamaus ist. Zwei Hundeführer wurden ausgewählt, sich ohne Hund in der Mitte zu treffen. Dort wurde sich begrüßt. Anschließend sollte jeder zum Hund des anderen gehen und dessen Leine aufnehmen. Als Frieda eine fremde nette Dame auf sich zukommen sah, war es um ihr Sitz geschehen. Da ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht bei meinem Schützling angelangt war, preschte dieser ebenfalls vor, um nachzusehen, was Frauchen denn da für Spaß mit einem fremden Hund hatte. Nun gut. Alle waren wieder eingefangen, und es hieß, an der alten Kreisposition mit dem fremden Hund in die Grundstellung zu gehen. Der etwas zartbesaitete Labbirüde an meiner Seite tat sofort wie ihm befohlen – ich glaube, er hat nur gehofft, dass der Horror ohne Frauchen bald ein Ende haben würde. Frieda…. naja, Frieda ließ sich nicht setzen. Nein, warum auch? Mit der netten Tante kann man bestimmt allerhand lustige Sachen machen, und so wurde munter hochgesprungen und herumgealbert. Nichts zu machen. Eine Frieda bändigt man nicht alle Tage. Also waren wir das einzige Paar, was nach 20 Sekunden wieder seine Hunde tauschen sollte. Mmmpf. Peinlich.

Die nächste spannende Übung bestand darin, den eigenen Hund sitzen zu lassen, während man selbst im Kreis umhergeht, um alle anderen Hundeführer kurz zu begüßen. Seeeeehr schwer. Das begrüßt werden. Oder besser: Frauchen begrüßen zu lassen, während man brav daneben sitzt. Hat Frieda nicht geschafft. Der Schwanz wedelte wie irre, und irgendwann wurde immer aufgestanden. Bei der letzten Versuchsperson ging es allerdings schon viel besser, sodass man auch hier sagen kann: Die Dame lernt schnell. Aber Selbstbeherrschung ist nicht ihr Lieblingsfach. Es war schon faszinierend zu sehen, wie besonders die Labbies recht unbeeindruckt neben ihren Frauchen saßen. Da geht der devote Blick dann eher nach oben mit der Frage: Du sagst mir, wenn ich was machen soll, ja? Bei Frieda stellt sich diese Frage nicht. Sie entscheidet, dass es doch ganz und gar offensichtlich ist, dass sie jetzt was machen soll! Jaaaaa! Spaaaaaaß!

Nun möchte ich an dieser Stelle doch eine Lanze für Frieda und mich brechen. Es wird ja in diesem Zusammenhang gerne von mangelndem Grundgehorsam gesprochen. Aber wenn man diesen Hund sieht, merkt man, wie sehr sie bemüht ist, ihren kleinen Popo auf dem Boden zu behalten. Doch irgendwann platzt sie schier vor lauter Energie und Freude. Das ist natürlich nicht ok. Aber es heißt einfach, dass ich diese Situationen mit ihr üben muss. Insofern war ich mit der Maus schon zufrieden. Wir haben uns beide bemüht, und es ist auch von Mal zu Mal besser geworden.

Interessant war natürlich auch, als ich ohne Frieda die Begrüßungsrunde drehen sollte. Frieda bekam ein Bleib, und ich bin losmarschiert. Es lief super. Sie ist sitzen geblieben. Bis zur letzten Begrüßung. Und dann… bin ich auf sie zugekommen. Ohne sie anzuschauen (ich bin ja nicht doof) und nicht frontal. Aber trotzdem. Es wurde aufgesprungen und gewedelt, als hätten wir uns zehn Jahre lang nicht gesehen. Ich war verschollen. Im Exil. Und nun war ich zurück. Ein Grund zum Feiern, ohne Frage. Da war ich kurz sauer, aber eine Mahnung von Carolin, ruhig zu bleiben, hat mich sofort wieder geerdet. Und so habe ich sie dann ohne Leine dennoch wieder in die Grundposition bekommen, ohne dass Madame gleich den Rest der Gruppe begrüßen wollte.

Nach einer Pause zum Aufwärmen und äußerst leckerem Kuchen von Carolin hab es noch eine Abschlussübung, wie sie auch bei der Begleithundeprüfung abgefragt wird. Mit dem angeleinten Hund bei Fuß durch eine Menschengruppe. Das haben die meisten Hunde wieder toll gemacht. Bei vielen brauchte es einen Moment, bis sie begriffen hatten, wie die Übung funktioniert, aber dann lief es wunderbar. Frieda und ich haben uns auch gut geschlagen, auch wenn das Stehenbleiben und Begrüßen einer einzelnen Person aus der Gruppe wieder der schwierigste Teil war. Auch hier heißt es: Üben, üben, üben.

Was ist also das Fazit aus dem gestrigen Tag? Also zum Einen fand ich es faszinierend, die einzelnen Hundetypen zu sehen und Frieda hier einzuordnen. Was interessant war, ist, dass es wohl gar nicht so sehr von der Rasse abhängt. Man könnte ja meinen, Frieda sei eben typisch Flat oder so. Pah! Alles Voruteile! Der zweite Flat, der in der Gruppe war, war ein neun Monate alter Rüde. Und der war cool. Ja, wirklich. Irgendwann fragte nochmal wer nach seinem Alter, und angesichts der Antwort kam ein: „Oh, der ist aber schon erwachsen!“ Ich wurde auch zwischendurch nochmal nach Friedas Alter gefragt. „Ein Jahr? Tatsächlich?“ Und es war sonnenklar, dass der unausgesprochene Nachsatz lautete: „Ich hätte jetzt gedacht, sie sei deutlich jünger.“ Stimmt. Sie benimmt sich ja auch zeitweise wie ein Riesenwelpe. Der einzige Hund in der Gruppe, der ihr von der Art her ähnelte, war die 1 1/4 Jahre alte Golden Hündin. Total süß, voller Lebensfreude, aber auch schwer zu bändigen. Die Labbies waren beide schon etwas älter, zwei und eineinhalb Jahre.

Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Frieda fielen, waren in etwa „Temperamentsbündel“, „Feger“ und „unverdrossen“. Letzteres finde ich besonders schön, denn unverdrossen ist Frieda defintiv. Letztlich muss man sagen, dass wir wie bereits in der DRC-Welpen- und Junghundegruppe etwas aus dem Rahmen gefallen sind. Ein echter Rabaukenklabauter halt. Trotzdem bin ich zufrieden, mittlerweile schaffe ich es, die Arbeit mit Frieda über weite Strecken als Herausforderung anzunehmen. Und man muss auch sagen, dass bei einem solchen Gruppentraining eben genau die Dinge abgefragt werden, die uns noch sehr schwer fallen. Andere Sachen klappen hingegen super, bei denen manch anderer Hundeführer seine Probleme hat: Sie ist (bisher) immer abrufbar (auch von anderen Hunden), hält auf Spaziergängen einen kleinen Radius ein, zieht nicht wie ein Ochse an der Leine, apportiert schnell und gerne und ist auch sonst in ihrer neuen Heimat bisher als folgsamer und wohlerzogener Hund aufgefallen. Aber den Rest… den müssen wir einfach noch üben.

Meist haben die Probleme ja mit mangelnder Selbstbeherrschung zu tun. Ein bisschen frustrierend ist das manchmal schon, weil ich mir einbilde, bereits seit Monaten mit eiserner Konsequenz genau daran zu arbeiten. Frieda muss wirklich bei jeder sich bietenden Gelegenheit warten. Wenn ich weiß, dass sie etwas will, bekommt sie es nicht oder nicht sofort. Sicher schleichen sich hier auch Fehler ein – sich nicht von Hundi manipulieren zu lassen ist meiner Meinung nach die Königsdisziplin aller Hundeführer. Aber dennoch hoffe ich schon, dass sich das alles irgendwann auszahlt. Schließlich ist sie immer noch ein Küken und vielleicht einfach von der spätreifen Sorte. Das hoffe ich. Denn dann heißt es einfach: Durchhalten und weiter machen. Alles wird gut!

Eine Antwort to “Junghundeseminar bei Carolin”

  1. Kathrin mit Jamie Says:

    Das hast Du soooooo schön und sooooo richtig geschrieben *umarm*. Und die Frieda-Maus ist einfach eine ganz Tolle; sollst mal sehen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das mit der Selbstbeherrschung klappt. Und dann stoppt die Frieda keiner mehr 🙂

    Liebe Grüße
    Kathrin mit Jamie

    A propos, kleiner Radius – danach sehne ich mich gerade im Augenblick wieder sehr 😉

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