„A lovely Dog“

Nun, in der wärmeren Jahreszeit, häufen sich die Trainingstermine. Nach dem wunderbaren Dummyseminar bei Carolin am letzten Wochenende hatten wir am Samstag ein weiteres Anfängertraining mit Rita Kökény vom Kennel Blackthorn Gundogs. In der Woche dazwischen bin ich mit Frieda bewusst „nur“ spazieren gegangen, sodass die Kleine Zeit hatte, zwischen den aufregenden Trainings etwas runterzukommen.

Ein bisschen Bammel hatte ich vor dem Seminar schon, da Rita leistungstechnisch mit ihren Hunden – Labradoren aus reiner Arbeitslinie – ganz Oben mitspielt, und ich befürchtete, dass ein Greenhorn wie ich mit einem kindsköpfigen Flat an der Leine da womöglich nicht recht zu passen würden. Tatsächlich lief dann aber alles sehr angenehm ab, Rita war eine sehr freundliche, aber auch bestimmte Trainerin, da knallhart beobachtet und auf den Punkt gebracht hat.

Inegsamt waren wir sechs Hunde-Mensch-Teams, und ich war erneut begeistert, wie nett bisher alle sind, mit denen Frieda und ich bei Trainings so zusammenkommen. Man sagt der Retrieverszene ja mitunter eine gewisse Verbissenheit und Konkurrenzkampf nach – bisher kann ich dies nicht bestätigen. Neben uns waren noch ein Flat Rüde, drei Schokolabbidamen und eine Golden-Hündin mit von der Partie.

Begonnen haben wir um 13 Uhr mit einem Walk-up in der Linie – meinem absoluten Albtraumfach, das Frieda und ich bisher auch immer gemieden haben. Das Positive: Frieda war absolut still. Das Negative: An korrektes Fußlaufen war auch nicht zu denken. Frieda war nach eineinhalb Stunden Fahrt gerade erst aus dem Auto gekommen und aufgrund der fremden Umgebung und der anderen Hunde völlig unkonzentriert. Natürlich weiß ich, dass das irgendwann auch anders sein muss, und ich nicht immer Entschuldigungen für uns suchen kann. Aber in diesem Fall hätte der Start einfach nicht schwieriger sein können. Kurzfristig wurde mir ganz anders zumute … Rita hatte uns auch gleich im Visier und ich hörte den Satz, der insgesamt als Fazit des gesamten Tages stehen bleiben sollte: „You have to teach her to behave.“ – Du musst ihr beibringen, sich zu benehmen. *Schluck* Ja, ich bin schuldig.

Nachdem wir zu Beginn so schön aufgefallen waren, durften wir anschließend gleich als erstes Team an die Einzelaufgaben ran. 😉 Zunächst eine Einzelmarkierung, dann eine Doppelmarkierung mit einem anschließenden Halfblind an einer der alten Fallstellen. Ab hier ging es für uns bergauf, denn während ich meinen Job in Sachen Grunderziehung wohl immer noch mehr schlecht als recht verrichte, macht Frieda ihre Sache einfach super. „A very good dog with a great hunting style.“ Ich war erleichtert, denn Frieda ließ sich prima auf ein bestimmtes Dummy schicken, ging schnell raus, kam ebenso schnell zurück und auch die Abgabe war „very good.“ Ein paar Kleinigkeiten haben wir wohl also doch schon gelernt.

Die Erziehungsfrage war dann erneut Thema, als Frieda soooo gerne an Rita hochgesprungen wäre, als sie neben uns stand. Ich habe beteuert, dass ich mich seit 18 Monaten bemühe, der Dame Manieren beizubringen, dass es mein erster Hund ist, und dass es nicht immer so klappt, wie ich mir das vorstelle. Ein versöhnliches „You are doing well, a Flat coated is never an easy one“ hat mich wieder etwas aufgebaut. Allerdings hieß es auch: Frieda ist kein Welpe mehr, und ich soll aufhören, sie wie einer zu behandeln. Wenn ich ihr jetzt nicht beibrächte, sich zu benehmen, sei es irgendwann zu spät… Den eigenen Hund zu lieben bedeutete nicht, ihm alles durchgehen zu lassen. Nun, das ist wie immer etwas, was mir in der Theorie nur allzu bewusst ist. An der Praxis hapert es hingegen des Öfteren.

Frieda hat bei den noch folgenden Aufgaben hingegen jede Menge Lob eingeheimst. An Arbeitsanlagen bringt sie alles mit, was nötig ist. Es war schön, dass auch von einer so erfahrenen Trainerin und Züchterin wie Rita zu hören. Später am Tag haben wir auch unsere allererste Wassermarkierung gearbeitet. Ich hatte einige Sorge, dass Frieda nicht ins Wasser gehen würde, denn bei fremden Gewässer hat sie mitunter Probleme mit dem schnellen Einstieg. Sie hat tatsächlich kurz gezögert, aber nach einigen motivierenden Rufen war sie drin und fast der einzige Hund, der das Dummy schnell und ohne Umwege zu mir gebracht hat, ohne es fallen zu lassen, um sich zu schütteln. Dabei standen wir doch recht weit vom Wasser weg.

Leider hatte die Art des gesamten Trainings auch Schattenseiten. Es wurden überwiegend Markierungen gearbeitet, und so wurde Frieda mit der Zeit immer unruhiger. Die kleine Rakete merkte sehr schnell, dass sie jedes Mal etwas holen durfte, wenn wir an den Startpunkt gingen, und so entwichen ihr vor der letzten Aufgabe einige Fiepser. Ich habe sie dann nicht arbeiten lassen. Rita hat mich darin bestätigt, allerdings auch dafür plädiert, dass ich ihr zusätzlich deutlich machen sollte, dass ich das Fiepen nicht dulde. Noch lieber wäre mir gewesen, ich hätte es gar nicht erst so weit kommen lassen. Hätte ich einige Markierungen selbst geholt oder wäre häufiger etwas für Frieda Unerwartetes passiert, hätte sich ihre Aufregung sicher mindern lassen. Als wir dieselbe Aufgabe wenig später erneut probiert haben, war Frieda jedoch wieder still, und so nahm alles noch ein vertretbares Ende. Rita schätzte das Winseln bei Frieda auch nicht als unausweichliches Problem ein, sondern riet mir, in der nächsten Zeit noch sehr vorsichtig und ausschließlich mit ruhigen Hunden mit ihr zu trainieren.

Nach der letzten Einzelmarkierung im Wald wurde Frieda erneut mit einem „A really lovely dog“ bedacht. Danach habe ich die Maus ins Auto gebracht und ihr alle Komplimente haarklein weitergegeben. Dazu gab es eine feine Kaurolle als Belohnung. Von den anderen Teilnehmern habe ich rückblickend erfahren, dass manchem ganz schön das Herz in die Hose gerutscht ist, nachdem sie Frieda und mir bei der ersten Einzelaufgabe zugeschaut hatten. Wir hätten „ganz schön vorgelegt“. Da ich mir ja eigentlich immer selber große Sorgen mache, dass wir nicht mithalten können oder negativ auffallen, hat mir dieses Kompliment ein fettes Grinsen ins Gesicht gezaubert. Allerdings habe ich auch gleich anmerken müssen, dass das, was so toll aussah, nichts ist, was wir geübt hatten. Es hat auch nichts mit mir zu tun. Es hat etwas mit Frieda zu tun, weil sie diese Dinge einfach tut. Einfach so.

Das Fazit des Tages: Ich habe einen tollen Hund, den ich am Samstag gegen nichts in der Welt getauscht hätte. Allerdings sollte ich an meinen hundeführerischen Qualitäten noch stark arbeiten. Frieda leistet ihren Beitrag, indem sie alles zu bieten hat, was es zum Arbeiten braucht. Nun ist es an mir, das Beste daraus zu machen und meine Aufgabe als Hundeführer richtig wahrzunehmen.

Neben dieser (nicht ganz neuen) Erkenntnis haben wir natürlich noch allerhand konkrete Tipps zum Training und zu bestimmten Situationen mitgenommen. Es ist unglaublich lehrreich, Profis wie Rita bei der Arbeit zuzuschauen, und so hat sich das Seminar mehr als gelohnt.

6 Antworten to “„A lovely Dog“”

  1. Kathrin mit Jamie Says:

    Auf diesen Bericht habe ich gewaaaaartet 🙂 ! Erst einmal: Ganz, ganz herzlichen Glückwunsch zu all den tollen Komplimenten zu Frieda, auf die sich die junge Dame wirklich einiges einbilden kann!!! Und Glückwunsch noch mal im Nachhinein zur Hundewahl 😉 Und, komm schon, soooo schlecht bist Du nun wirklich auch nicht… . Ritas Einschätzung zum Frieda-Winseln zu hören, war sicher auch eine große Erleichterung.

    Wir müssen aber trotzdem noch mal ausführlicher telefonieren, denn ich will natürlich einen haarkleinen, minutiösen Bericht.

  2. Miriam Says:

    Hallo,
    Mich würde interessieren was die Retriever-Szene, oder Du, denn darunter verstehen dem Hund zu sagen dass man Winseln „nicht duldet“. Deinen Ansatz, das Winseln gar nicht erst nötig werden zu lassen, verstehe ich. Das nicht-dulden noch nicht.
    Neugierig,
    Miriam

    • ppfrieda Says:

      Auch hier gibt es DIE Retriever-Szene sicher nicht. Jeder weist seinen Hund anders zurecht. Die meisten, die ich kenne, haben schon Schwierigkeiten mit einem ernst gemeinten „Nein“. 🙂 Die Profis müsstest Du allerdings selber fragen.

  3. Carolin Says:

    Huhu,

    auch ich habe auf diesen Bericht gewartet 😉 Und am Samstagnachmittag ganz viel an euch gedacht!!!!
    Schön, dass es Euch so gut gefallen hat! Und das mit den Markierungen sehe ich genauso wie Du 😉

    „Allerdings habe ich auch gleich anmerken müssen, dass das, was so toll aussah, nichts ist, was wir geübt hatten.Es hat auch nichts mit mir zu tun. Es hat etwas mit Frieda zu tun, weil sie diese Dinge einfach tut. Einfach so.“

    Hier muss ich aber vehementest widersprechen 😀 Es hat sehr, sehr wohl mit Dir zu tun und sogar ganz viel!!!!!!!!! Ich habe Dir von Anfang angesagt, dass, wenn Du es schaffst, Frieda „in den Griff“ und „in Ruhe“ zu kriegen, Du einen „geilen Arbeitshund“ hast! Und Du hast mit ihr bisher wirklich so fast alles richtig gemacht! Basics, basics und nochmal basics – that’s it! 😉 kein dauerndes Markierungen Gewerfe, kein Hochpuschen eines sowieso schon hochtriebigen Hundes – also: weiter so! Und lass Dich nicht beirren!

    • ppfrieda Says:

      Das ist soooo lieb von Dir! Ja, das Training bei Dir war ja ganz anders aufgebaut, da ist Frieda ja auch viel ruhiger gewesen.

      Und: Ay, wir sind weiterhin an den Basics dran. Ich freu mich schon auf UNSER nächstes gemeinsames Training!

  4. Anke Says:

    „Frieda ist kein Welpe mehr, und ich soll aufhören, sie wie einer zu behandeln. “

    Ähem… auch ich bekenne mich schuldig. Es ist aber auch so verdammt schwierig, die Pupser werden einfach zu schnell groß – da komm ich rein emotional nicht hinterher *ggg*

    Ein toller Bericht, ich hab viel geschmunzelt und freu mich auch schon auf unser nächstes Treffen (vielleicht kann man da mal ein gemeinsames Training mit Carolin aushandeln???) 😉

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