Stille

Gestern war ich mal wieder mit Frieda beim Gruppentraining. Wie im letzten Post zu lesen war, hatte ich mir vorgenommen, Frieda kein Dummy holen zu lassen, wenn sie wieder eine erkennbar hohe Erwartungshaltung zeigen sollte.

Im Gelände angekommen stellte sich der Plan als schwer umsetzbar heraus, da aufgrund der Temperaturen Wasserarbeit angesagt war. Obwohl es natürlich zahlreiche Möglichkeiten gibt, einen Hund auch am Wasser nicht apportieren zu lassen, wollte ich das Training ungern als einzige verkomplizieren – die anderen sind bei allem immer recht schmerzfrei.

Wenn Frieda gefiept hätte, hätte ich wohl jemand anderne gebeten, seinen Hund das Dummy holen zu lassen. Aber es kam alles ganz anders. Bereits beim Warten war Frieda erfreulich still. Um die Erwartungshaltung nach dem Ableinen nicht so in die Höhe schießen zu lassen, habe ich Frieda einfach schon abgeleint während die anderen Hunde gearbeitet haben. Dabei haben wir konzentrierte Fußarbeit und ein paar Steadinessübungen mit Dummy gemacht. Um dem übermäßigen Fixieren der Beute und dem damit verbundene Fiepen vorzubeugen hatte ich wieder sehr leckere Bröckchen in meiner Westentasche, die ich bei der Aufnahme von Blickkontakt spendabel verteilt habe. Und ich kann nur sagen: Gott sei Dank steht mein Hund auf Essen! Immer wieder höre ich von Hunden, die in Trainingssituationen, wenn der Trieb ordentlich angekurbelt ist, gar kein Futter annehmen. Da muss man dann schon sehr erfinderisch werden, um die Aufmerksamt des Vierbeiner auf sich zu lenken. Bei Frieda klappte das gestern ganz wunderbar – fast zu wunderbar.

Die erste Aufgabe war eine Einzelmarkierung ins Wasser, wobei jeder selbst entscheiden konnte, wann und von wo aus er den Hund schickt. Obwohl Frieda Wasser mag, sieht sie es bisher nicht als etwas soooo Besonderes an, sodass wir gut im Fuß zu unserer Startposition gekommen sind. Dann kam der erste spannende Moment: Das Dummy wurde mit Geräusch ins Wasser geworfen. Fiept sie oder nicht? Nein, sie hat nicht gefiept – stattdessen gleich der fragende Blick zu mir und: Leckerchen rein und umdrehen. Da die Maus sehr geduldig und aufmerksam war, durfte sie das Dummy anschließend holen.

Bei der nachfolgenden Aufgabe – einer Doppelmarkierung im Wasser und an Land ins hohe Gras – klappten die Vorbereitungen ebenfalls wunderbar und vor allem völlig lautlos. Leider schaute Frieda mich so konzentriert immer wieder an, dass sie an Land nicht besonders gut markiert hat. Dass Dummy im hohen Gras zu finden, war ohnehin schwer. Als sie nicht fündig wurde, habe ich sie zurückgepfiffen. Fürs schnelle Reinkommen werfe ich ihr momentan immer ein Dummy zu, das sie dann mitbringen darf – Flatnasen tendieren ja eher zum Weiterjagen bis der Arzt kommt, da muss sich das Zurückkommen auch lohnen. Danach habe ich sie ins Wasser geschickt, was problemlos geklappt hat. Zum Schluss haben wir nochmal die Markierung im Gras wiederholt, die sie dieses Mal besser markiert und entsprechend auch gefunden hat. Bei alledem war die Kleine komischerweise erstaunlich unaufgeregt und gelassen. Scheinbar ist das Training bei uns immer noch sehr tagesformabhängig.

Insgesamt war ich mit der Wasserarbeit sehr zufrieden. Die Abgabe klappte gut und vor allem war Frieda sehr steady. Dass bei der Doppelmarkierung erst die Landmarkierung geholt werden sollte und die Hunde dabei sogar ein Stück am Ufer entlang rennen mussten, hat viele zum Umschwenken ins Wasser verführt. Zumindest gestern gab es bei uns hier keinerlei Probleme. Dass viele Anschauen und die schmackhaften Leckerchen haben dazu geführt, dass Frieda nicht gut markiert hat, weil sie sich zu stark auf mich konzentriert hat. Aber ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das bei diesem Hund zu einem Problem entwickelt. Lieber mache ich erstmal so weiter, um unsere Kommunikation zu fördern und die Erwartungshaltung in Richtung Dummy zu schmälern. Der Rest lässt sich wahrscheinlich schneller wieder herstellen, als mir liebt ist. 🙂

Als letzte Aufgabe wollten die anderen noch eine Einzelmarkierung im hohen Gras wiederholen, da viele der Hunde hierbei Probleme gehabt hatten. Da ich Frieda mit so vielen Markierungen nicht unnötig hochpushen wollte, wo es doch gerade so gut lief, habe ich die Gunst der Stunde genutzt und mit ihr im Fuß ohne Leine den anderen beim Markieren und Apportieren zugeschaut. Mit vielen Belohnungen natürlich, und es lief wunderbar. Jedes fallende Dummy wurde angeschaut, aber danach ging der Blick gleich zu mir, und ich habe sie fürs ruhige Warten bestätigt. So macht das richtig Laune!

Natürlich bin ich gespannt, wie das nächste Training läuft. Unsere Leistung ist bisher ja eher wechselhaft. Aber ich bin fest entschlossen, den gestrige Weg weiter fortzuführen, und Frieda im Gruppentraining noch mit vielen Leckereien fürs Warten und Konzentration zu belohnen. Sicher werden wir die Hilfen auch irgendwann wieder abbauen müssen – aber alles der Reihe nach.

2 Antworten to “Stille”

  1. Anke Says:

    Liest sich super! Du machst das schon richtig *überzeugt bin* 🙂

  2. working mudpaws Says:

    Kann mich Anke nur anschließen…. Mit vollem Fang fiept es sich aber auch denkbar schlecht 😉
    Ne, war nur Spaß! Ihr macht das richtig! Ich habe ja inzwischen schon die wildesten Sachen erklärt bekommen … Einmal sollte bei jedem Fiepen der Hund eine mit der Basecap gezwitschert bekommen …. Lerneffekt gleich 0 und Frust garantiert! So lernt Frieda wirklich, was du von ihr erwartest und hat auch noch Spaß dabei *bravo*

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