Archive for August 2011

Wild ich oder wild ich nicht?

August 26, 2011

Nachdem sich mir in den letzten Wochen im Jägerkurs eine neue Welt eröffnet hat, ist in mir langsam der Wunsch erwacht, auch Frieda an das Arbeiten mit Wild heranzuführen. Also habe ich je zwei Kaninchen und zwei Enten bestellt und sie zunächst in meiner Gefriertruhe zwischengelagert. Denn wie der Zufall es so will, bot sich in der folgenden Woche ein längst fälliges Treffen mit Ivonne und Fiene an, die beide durch ihre Vorbereitung auf die JP/R schon erste Erfahrungen mit Wild gesammelt haben. Also wurden die Tierchen in die Kühlbox gepackt und ins Hessenländle kutschiert, wo wir uns zu einem gemeinsamen Trainingsnachmittag trafen. Auch Jens und Gizmo waren mit von der Partie, die Runde war also perfekt.

Im Gelände angekommen begannen wir mit der Gewöhnung an die Ente. Diese war Frieda zunächst schon ein wenig suspekt, doch mit viel Körper- und Stimmeinsatz konnten wir Madame davon überzeugen, dass das Federvieh doch ein äußerst begehrenswertes Beuteobjekt ist. An dieser Stelle gebührt mein Dank Ivonne, die wirklich mit Leib, Seele und guten Ratschlägen dabei war!

Action mit Entlein:

Bei der ersten Markierung zeigte sich, dass Frieda noch Probleme hatte, die Ente vom Boden aufzunehmen – wie greife ich das Ding nur richtig? Als Zwischenlösung half ein Nylonstrumpf aus, der das widerspenstige Federvieh in eine etwas kompaktere Form presste. Nachdem diese Hürde genommen war, erwies sich auch der Apport ohne Strumpf als machbar. Momentan braucht die Maus noch einiges an Ermunterung und die Abgabe sieht auch noch nicht so schön aus wie mit dem Dummy. Aber das sind die Details, an denen man noch lang genug feilen kann, denn erstmal ist entscheidend: Frieda wild.

Als nächstes ging es ans Kaninchen. Ivonne hatte bereits prophezeit, dass das Fellknäuel sicher kein Problem mehr darstellen würde, wenn das Federvieh bereits getragen wurde – und so war es auch. Kaninchen hat ja auch eine wesentlich tragefreundlichere Form. 🙂 Nachdem Frieda problemlos aufnahm, testeten wir eine Markierung, was wunderbar klappte. Puh, geschafft!

Fürs Erste waren wir nun durch, sowohl für Frieda als auch für mich waren das schon viele neue Eindrücke, die es zu verarbeiten galt. Die Maus war bei alledem noch sichtlich angeschlagen vom hinter uns liegenden Workingtest, die Hitze tat ihr Übriges dazu.

Doch zwischendurch gab es ja auch immer wieder Gelegenheit, den anderen Teams beim Arbeiten zuzuschauen. Gizmo schien auf die Herausforderung „Wild“ geradezu gewartet zu haben. Er zeigte wenig Berührungsängste und apportierte fleißig und schön. Fiene machte ihrem Ruf als Flitzemaus alle Ehre – schnell und begeistert arbeitete sie ihre Markierungen und eine Suche.

In neuem Gelände widmeten wir uns zum Abschluss noch dem Fach „Schleppe“. Ivonne zog eine Schleppe für Fiene und erklärte uns dabei, worauf man beim Training dieses Aufgabentyps zu achten hat. Fiene meisterte ihren Part perfekt – es ist wirklich super schön, einem Hund beim Arbeiten zuzuschauen! Ivonne war zurecht stolz auf ihre Maus. Frieda durfte zum Abschluss auch noch ein kurzes Stück Schleppe arbeiten, für den Anfang ohne Haken. Langsam aber konzentriert arbeitete sie die Spur aus, fand und brachte das Stück. Yippppie! Super, Spatz! Und ich verspreche Dir, wenn Du ausgeruht bist und es weniger heiß ist, macht das alles noch viiiiieeeel mehr Spaß.

Zum Schluss durften die Vierbeiner nochmal ordentlich Dampf ablassen und sich zur Abkühlung in die Fluten stürzen.

Schließlich ging ein toller und für alle erfolgreicher Nachmittag zu Ende. Frieda war total k.o. und ist es, glaube ich, immer noch. Nachdem nun die erste Hürde in Sachen jagdliches Arbeiten genommen ist, werden wir erstmal ein bisschen pausieren, bevor weiter an der Routine gefeilt wird.

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Schwitzen im Forst

August 22, 2011

Naja, eigentlich hieß es ja „Schnuppern im Forst“, aber das Schwitzen war auf dem gestrigen Workingstest in der Oberpfalz irgendwann die dominierende Tätigkeit.

Nach einer erstaunlich geruhsamen Nacht klingelte der Wecker um 6:05 Uhr (psychologische Kriegsführung – es war immerhin nicht 6:00 Uhr :-)). Frieda wollte gar nicht so recht aufstehen, ließ sich aber bald von dem regen Treiben um sie herum anstecken. Gefrühstückt, gepackt, losgefahren. Da die Straßen Sonntagsmorgens angenehm leer sind, blieb unterwegs sogar noch Zeit für einen Zwischenstopp, um Madame ein bisschen laufen zu lassen. Am Treffpunkt um 8 Uhr erwarteten uns jede Menge unbekannte und bekannte Gesichter, die Stimmung war gut.

Insgesamt waren 31 Teams gemeldet, Frieda und ich bekamen die Startnummer 4. Irgendwann ging es per Kolonne ab ins Gelände – es ist schon Wahnsinn, welcher Aufwand hinter einem Workingtest steckt und wie lang es dauert, bis alle Beteiligten angekommen und mit den wichtigsten Infos versorgt sind. Vor Ort wurden wir in drei Gruppen à ungefähr zehn Teams eingeteilt, die jeweils gemeinsam die ersten drei Vormittagsaufgaben bei den Richtern – Petra Beringer, Martin Kuse und Achim Beringer – durchlaufen sollten. Die Wartezeiten wurden so für die einzelnen Teams verkürzt, was sehr angenehm war.

Frank war als Helfer mitgekommen und wurde gleich an Station 1 Achim Beringer zugeteilt. Letztlich sollte ich ihn erst gegen 16 Uhr wiedersehen. Der arme Kerl hatte ganz schön zu schuften und verbrachte den Tag dummywerfenderweise im Wald.

Für meine Gruppe ging es gleich mit der ersten Aufgabe los. Richter war Achim Beringer, die Aufgabe begann im Fußlaufen auf einem Wiesenweg im Wald. Nach wenigen Metern raschelte ein Helfer rechts des Teams im Gebüsch, es folgte ein „Brr“ und das Geräuschh zweier fallender Dummies. Dabei war weiterhin konzentriertes Fußlaufen entlang des Weges gefragt. Wenig später fiel ein Schuss, woraufhin man stehen bleiben sollte, und ein Dummy wurde etwa zehn Meter vor das Team auf den Weg geworfen. Dieses durfte der Hund dann auf Freigabe des Richters zur Belohnung apportieren.

Wenn es denn etwas zu belohnen gab… Ich gebe es zu, ich war schon aufgeregt, als es an unsere erste Aufgabe ging. Frieda hatte bereits durch die Vorarbeit der anderen Team mitbekommen, dass auf dem besagten Waldweg irgendetwas Spannendes vor sich geht. Entsprechend habe ich schon auf dem Weg zur Aufgabe gespürt, dass sie einen gewissen Vorwärtsdrang hat und nicht gerade schön bei Fuß geht. Herr Beringer war sehr nett und hat mir noch mal in aller Ruhe die Aufgabe erklärt. Dann hieß es ableinen und los. Die ersten Meter liefen noch recht gut, auch wenn ich schon merkte, dass der Augenkontakt meiner Rakete zu wünschen übrig ließ. Vermutlich hätte ich sie schon frühzeitig mit einem Kommando erneut auf mich aufmerksam machen müssen, jedoch war ich durch die Vorgabe, möglichst wenige Kommandos zu geben, wie glähmt und habe den Dingen ihren Lauf gelassen. Als das Geraschel neben uns begann, sah alles noch ganz gut aus, aber dem „Brrr“ konnte Frieda nicht recht wiederstehen und ist eben mal einen Meter vorgegangen, um eine bessere Sicht nach rechts auf das Geschehen zu erhaschen. Nunja, ihre Schwanzspitze war noch auf meiner Beinhöhe, aber im Fußlaufen haben wir wohl ziemlich versagt. 🙂 Also musste doch ein Kommando her, um sie zurückzuholen. Nun folgten der Schuss und das Dummy. Der Schuss war unproblematisch, aber das Dummy…. In dem Abstand direkt vor uns auf den Weg? Unwiederstehlich! Ein aufgeregter Quietscher entfuhr der Maus, ihr Popo ging in die Höhe und sie eierte ein paar kleine Schritte nach hinten. Nach vorne traut sie sich ja nicht. Trotzdem kann auch das nach hinten wegweichen natürlich als Einspringen gewertet werden. Wieder neben mir sitzend kam sie kurz zur Ruhe, sodass ich sie schließlich noch schicken konnte. Trotz der Einfachheit der Markierung sah sie dann beim Einsammeln des Dummies auch noch ziemlich konfus aus- wir waren bei dieser ersten Aufgabe einfach beide noch viel zu aufgeregt. Zum krönenden Abschluss habe ich Frieda aus Reflex dann auch noch mit dem Dummy im Fang gelobt – oh, weh!

Für diese Aufgabe bekamen wir ein „gut“, wobei wir auf einem richtigen Workingtest natürlich mit Sang und Klang untergegangen wären. Arbeitweise, Markierfähigkeit und Apportierfreudigkeit wurden mit „sehr gut“ bewertet, Steadiness und Arbeitsweise (style) lediglich mit „gut“ – Herr Beringer meinte, Frieda hätte noch kein System in ihrer Arbeitsweise. Tja, es lief zunächst eben etwas chaotisch. Die Nachbesprechung war aber toll, die Richter haben sich am gesamten Tag viel Zeit für individuelles Feedback genommen. Die Fußarbeit war bei dieser Aufgabe unbestritten unsere große Schwäche, hier soll ich mit weniger Kommandos auskommen.

Mich persönlich hat vor allem beeindruckt, wie hilflos ich mich neben meinem Hund gefühlt habe, nachdem ich wusste, dass jedes Einwirken und jedes Kommando unerwünscht ist. Frieda hat mich einfach nicht angeschaut und ich konnte ja nicht wirklich etwas dagegen tun. 🙂 Also heiß es wohl weiterhin üben, üben, üben und langsam Hilfen abbauen, aber dieses Fazit der ersten Aufgabe ist wohl nicht sehr verwunderlich.

Die zweite Aufgabe war eine kleine Freiverlorensuche bei Petra Beringer. Aus dichtem Nadegehölz sollten wir den Hund in eine dicht bewachsene Schonung mit kleinen Bäumchen zum Suchen schicken, dabei sollten drei von neun ausgelegten Dummies geholt werden. Da die ersten Hunde das Gebiet nicht angenommen hatten, wurde die Aufgabe dahingehend vereinfacht, dass Frau Beringer zu Beginn eine für das Team gut sichtbare Markierung in das Suchengebiet warf, um dem Hund die Richtung vorzugeben. Erst danach hieß es, den Hund abzuleinen. Es folgten zwei Schüsse rechts und links vom Suchengebiet. Anschließend durften wir den Hund nach der Freigabe des Richters schicken. Ich schickte Frieda drei Mal mit „Such“ und es… lief. Zack, zack, zack. Obwohl wir die Pfeife ausdrücklich benutzen durften, habe ich nur beim letzten Apport gepfiffen, ansonsten ist Frieda jede Mal sofort nach dem Finden zu mir zurückgekommen. Tauschgefahr war vorhanden, aber die Maus hat die anderen Dummies jede Mal prima ignoriert. Für diese Aufgabe gab es ein „Vorzüglich“ und Frau Beringer war sehr zufrieden. Nach Abgabe der Schüsse hatte Frieda einen so winzig kleinen Fiepser geäußert, dass sie meinte, er sei kaum hörbar gewesen und würde deshalb nicht zu einer Null führen. Trotzdem soll ich dieses Verhalten im Training nicht dulden. Ay, wird gemacht.

Die dritte Aufgabe bei Martin Kuse kombinierte wieder eine Einzelmarkierung mit Steadiness und Fußarbeit. Oh, Schreck! Zunächst fiel ein Schuss und eine Markierung gut sichtbar in etwa 25 Metern (?) Entfernung im Wald vor Hund und Hundeführer. Danach sollte man mit dem Hund im Fuß über zwei Baumstämme etwa fünf Meter in Richtung der Markierung gehen. Von hier aus durfte der Hund selbständig weiter zum Apport geschickt werden. Ich hatte Schlimmstes befürchtet, doch es kam ganz anders. Nach der Markierung schaute Frieda mich wie geübt endlich an, ich konnte ihr das Fußkommando geben, und obwohl sie sichtlich angespannt war, lief sie still und konzentriert mit mir geradeaus. Lediglich, dass ich irgendwann dann auch wieder stehenblieb, bekam sie nicht sofort mit, und musste sich an dieser Stelle ein wenig nach hinten korrigieren. Schicken, aufnehmen, zurückbringen, abgeben. Das sind ja weniger unsere Baustellen.

Auch für diese Aufgabe bekamen wir ein „Vorzüglich“, sogar im Fach „Steadiness“. Einzige Anmerkung war, dass wir weiterhin an der Fußarbeit dran bleiben sollen. Jaaaaaaa, das wird wohl das Fazit des Tages werden…

Die Vormittagsaufgaben lagen hinter uns, und nach der Ernüchterung der ersten Aufgabe war ich mit unserer weiteren Leistung sehr glücklich. Allerdings dämmerte mir mal wieder, dass bei uns in der Tat alles das super läuft, was Frieda mehr oder weniger selbständig erarbeiten kann (Stichwort: Suche), während alles andere noch ziemlich verbesserungsbedürftig ist. Wie so oft ist hier der Mensch das kaputte Rad am Wagen. Mmmpf.

Während es in den ersten Stunden des Tages noch sehr angenehm im Wald gewesen war, breitete sich mittags die große Hitze aus. Die angekündigten 30°C wurden wahr und zudem war es sehr, sehr schwül. Glücklicherweise gabe es einen Tümpel, in dem sich die Hunde abkühlen konnten. Die Menschen hingegen schwitzten aus allen Poren. Hätte man mich am Ende das Tages gegen eine Wand geschmissen, wäre ich sicherlich kleben geblieben. In der Mittagspause wurde für alle gegrillt, die Stimmung war dann und in den Wartezonen sehr entspannt und freundlich.

Für uns ging es anschließend mit der vierten Aufgabe bei Martin Kuse weiter. Ein 2er Walk-up der etwas anderen Art. Jeweils zwei Team sollten hintereinander einen Waldpfad entlanglaufen, wobei der erste Hund unangeleint, der zweite angeleint bleiben sollte. Nach wenigen Metern fiel ein Schuss, zu dem sich das erste Team hindrehen sollte, um anschließend die fallende Markierung zu beobachten, auf die der Hund geschickt über einen kleinen Bachlauf geschickt wurde. Anschließend tauschten die Team ihre Position im Walk-up und es fiel eine neue Markierung für das zweite Team an einer anderen Stelle.

Frieda und ich durften als erste ran. Die Fußarbeit war hier mal wieder grottig. Irgendwie war Madame noch nicht recht aus der Mittagspause zurück und guckte mal hier und mal da, anstatt sich auf mich und das Fußlaufen zu konzentrieren. Als der Schuss fiel, versuchte ich mich mit ihr zu drehen, doch letztlich saß sie quer vor mir in Laufrichtung. Dabei hatten wir das sooooo viel geübt und es klappte immer so toll! Grrrrrrrh. Anstatt sie trotzdem nach der Freigabe zu schicken, was ich nach Herrn Kuses Aussage wohl hätte machen müssen, habe ich ihre Position noch korrigiert – das konnte ich einfach nicht auf mir sitzen lassen! Der Apport lief hingegen wieder gut – in Nachhinein habe ich erfahren, dass viele Hunde die Gelegenheit nutzten, sich mit oder ohne Dummy im Fang im Bachlauf in aller Ruhe die Füße zu kühlen. Wenigsten hier hatten wir keinerlei Probleme.

Für die Aufgabe gab es immerhin noch ein „Sehr gut“, aber die Sache mit dem Fußlaufen fing langsam an, mir gehörig auf den Keks zu gehen.

Die fünfte und vorletzte Aufgabe bei Petra Beringer war eine Einzelmarkierung über zwei Gräben im Wald. Die Schwierigkeit bestand hier in den Geländeübergängen und tatsächlich taten sich viele Hunde schwer. Am Startpunkt fiel der Schuss und die Markierung. Frieda war mucksmäuschen still! Auf die Freigabe hin schickte ich sie los. Der erste Graben war noch keine Hürde, beim Erklimmen des Hügels nach dem zweiten fing sie dann langsam an zu suchen: Hier muss das dumme Ding doch irgendwo sein! Trotzdem kam sie nicht von ihrer Linie ab und suchte sich in immer noch hohem Tempo an das Mark heran. Zack, zurück. Insgesamt meisterte Frieda die Schwierigkeiten gut, Frau Beringer gab mir aber den Tipp, vermehrt Markierungen mit Geländeübergängen im Training zu üben. In allen Fächern außer Markierfähigkeit gab es bei dieser Aufgabe für uns Bestnoten.

Die letzte Aufgabe wurde erneut von Achim Beringer gestellt. Obwohl es natürlich blöd von mir ist, war ich nach unserem ersten bescheidenen Auftritt bei ihm irgendwie doch wieder nervös. Die Aufgabe bestand in einem beschossenen (quasi-)Blind, dass direkt vor der Wasserkante des Hundebadetümpels lag. Uffz. Man nahm als Team am Startpunkt Aufstellung. Anschließend lief der erste Helfer parallel zur Wasserkante etwa 20 Meter vor Hund und Hundeführer entlang und ließ auf der Höhe des Team ein Dummy in die Wiese fallen. Anschließend nahm der zweite Helfer den selben Weg und gab einen Schuss auf der Höhe des Dummies ab. Nun durfte man den Hund schicken. Da es sich ja um ein Blind handelte, schickte ich Frieda mit „Voran“. Frieda sah das aber anders. Da war doch Herrchen irgendwo! Jaaaa, der erste Helfer, der das Dummy fallen ließ, war Frank. Und was macht der jetzt da in hinter dem Busch? Mal nachschauen gehen. Nachdem Frieda kurz den Helfern „hallo“ gesagt hatte, erfolgte die Kontrolle, ob das Wasser, in dem sie noch kurz zuvor gebadet hatte, denn noch da sei. An diesem Punkt habe ich die Pfeife ausgepackt und ordentlich hineingeblasen: TÜÜÜÜÜÜÜT, TÜÜÜÜÜT! Und weil das ja nicht genug war, schickte ich noch einen empörten Brüller hinterher. Tatsächlich ließ sich Frieda so von ihrem Badevorhaben abbringen (sie war noch nicht drin), kam aber nicht direkt zu mir zurück, sondern sammelte noch mal eben das öde Dummy ein, von dem sie wohl nur zu gut wusste, wo es befand. Trotz allem bekamen wir für die Aufgabe noch ein „Sehr gut – vorzüglich“, was aber sicherlich als freundliche Geste zu werten ist. Herr Beringer riet mir dann noch, nicht all meinen Frust in die Pfeife zu packen: „Es bringt ihnen ja auch nichts, wenn am Ende ein kleiner Vulkan aus der Pfeife kommt.“ Hmmm, Recht hat er.

Danach waren Frieda und ich komplett bedient. Es war heiß, es war lang, es war aufregend. Zurück am Gasthof wurden die Urkunden verteilt, wir erhielten das Gesamtprädikat „Sehr gut“, wie die meisten anderen auch. Ein paar „vorzügliche“ und „gute“ Hunde gab es jedoch auch. Auf der Heimfahrt berichtete Frank ausführlich von seinen Erfahrungen als Helfer. Glücklicherweise war er mir nicht böse, dass ich ihn eigenmächtig zu „Den-ganzen-Tag-bei-Hitze-im-Wald-rumstehen“ angemeldet hatte. Den Berichten konnte ich entnehmen, dass Frieda und ich wohl nicht die größten Chaoten an diesem Tag waren. Erneut war es außerdem spannend zu hören, wie unterschiedlich die Hunde arbeiteten.

Und was wir jetzt machen? Erstmal ausruhen. Ausgiebigst. Und dann weiter üben. Fußlaufen und so.

Unser erster Workingtest…

August 13, 2011

… naht.

Nächsten Sonntag, am 21. August, haben wir einen Startplatz beim Schnupper-Workingtest der BZG Oberpfalz. Ich bin schon soooo gespannt – und freue mich auf dieses ganz neue Erlebnis. Anke und Biscuit werden zum Glück auch dabei sein und außerdem kenne ich noch zwei weitere Teams, die sich der Herausforderung stellen. Es ist doch immer ganz schön, bekannte Gesichter um sich zu haben.

Gestern waren wir mal wieder zum Training beim freien Dummytreff. Ich war total stolz auf meine Maus, sie macht das wirklich immer cooler und hat bis auf ein paar winzig kleine, kaum hörbare Fiepserchen nach dem Herausholen aus dem Auto (neue Situation usw.) war sie absolut still. Parallel dazu habe ich versucht, die Leckerchendosis des letzten Trainings etwas herunterzufahren und ihr während der eigentlichen Aufgaben nichts mehr gegeben. Davor und danach blieb aber ja noch genügend Möglichkeit zum ausgiebigen Belohnen, was Madame durchaus versöhnlich gestimmt hat.

Angefangen haben wir mit einer Doppelmarkierung. Die erste Markierung wurde aus einem Gebüsch in ungefähr 40 Metern Entfernung auf eine kurz gemähte Wiese geworfen. Die zweite fiel in 90° zur ersten über einen dicht bewachsenen schmalen Wassergraben auf die andere Seite der Wiese, sodass die Hunde einen Geländewechsel zu überwinden hatten. Da unsere Vorgänger hier allesamt Probleme hatten, habe ich Frieda zuerst auf M2 geschickt, damit die Überwindung des Geländewechsels nicht gar so schwierig werden sollte. Tatsächlich ist sie auch ohne zu zögern über den Graben gegangen – jedoch nicht in Höhe der Markierung. So ganz verstanden habe ich die Maus gestern nicht, es sah teilweise etwas kopflos aus, was sie tat. Auf der anderen Seite des Grabens hat sie dann jedoch schnell angefangen in Richtung der Fallstelle zu suchen, sodass es defintiv auch keine Freiverlorensuche wurde.

Beim Schicken auf M1 sah es ähnlich aus. Erst sah alles ganz gut aus, dann suchte sie jedoch eher von der Fallstelle weg, bevor sie diesmal wirklich zu einer großen Suche überging, da sie nicht sofort fündig wurde. Also Doppelpfiff und „Hier“. Wie immer bekam Frieda fürs Reinkommen aus der Suche ein Dummy von mir zugeworfen, dass sie mitbringen durfte. Da ich eigentlich dachte, einer Markierung auf flacher Wiese sei kein Problem für meinen Flitzer, habe ich sie erneut angesetzt und geschickt. Da sie sofort wieder abdriftete, musste ich sie leider wieder ranpfeifen. Also warf Christine die Markierung ein zweites Mal. Blickkontakt, warten, „Apport“! Dieses Mal kam sie sofort zum Dummy und brachte es zurück. Das gab natürlich ein großes Lob! So ganz sicher bin ich jedoch nicht, ob die Markierungen zu schwer waren, Frieda zu unkonzentriert oder womöglich erneut der viele Blickkontakt zwischen uns beiden dafür gesorgt hat, dass sie nicht so gut markiert hat. Trotz alledem ist das Wichtigste für mich jedoch weiterhin, dass Frieda ruhig und geduldig auf meine Kommandos wartet. Dies ist weiterhin unser oberstes Gebot und Ziel.

Die zweite Aufgabe war eine erneute Einzelmarkierung über den Graben. Da viele Hunde hier Probleme hatten, wollten wir den Geländewechsel nochmals üben. Nach dem Fallen der Markierung bin ich mit Frieda noch ein Stück parallel zum Graben Fuß gelaufen, da ich sie nicht zu oft ohne größeren Zwischenschritt auf Marks schicken wollte. Trotzdem hat sie sich die Fallstelle super gemerkt und das Dummy ohne Probleme gebracht. Fein.

Anschließend versuchten wir uns auf meinen Wunsch das erste Mal an einem Walkup zu zweit. Bisher habe ich dieses Fach vermieden, weil ich Frieda und mich nicht überfordern wollte. Doch angesichts der Fortschritte der letzten Wochen fand ich, dass es an der Zeit war, auch diese Herausforderung nun anzunehmen. Ausschlaggeben dafür war vor allem, dass Frieda sich zuletzt völlig ruhig verhielt, wenn wir anderen Hunden beim Arbeiten zugeschaut haben. Dafür habe ich sie extra unangeleint neben mit ins Fuß gesetzt und stets belohnt, wenn sie ruhig die Markierungen und den Apport der anderen Hunde verfolgte, um anschließend Blickkontakt mit mir aufzunehmen.

Zu zweit machten wir uns auf einer gemähten Wiese auf den Weg. Nach etwa 15 Metern kam ein Geräusch vom Werfer (in diesem Falle Frank, der so nett war, uns an diesem Tag zu helfen). Beide Hunde setzten sich sofort hin und beobachteten anschließend die fallende Markierung. Anschließend durfte zunächst unsere Team-Kollegin ihren Hund zum Apport schicken. Frieda saß unangeleint wie angewachsen. Super! Dafür gab es auch während der Aufgabe eine kleine Belohnung, schließlich war das ein ganz besonderer Moment. Anschließend ging es weiter im Fuß. Dabei merkte ich, dass Frieda nun definitiv mehr Gas gab, da sie in Richtung der alten Fallstelle wollte. Da musste ich die Kleine körpersprachlich etwas ausbremsen. Dann folgte erneut ein Geräusch, eine Markierung und diesmal durfte ich Frieda schicken. Auch das klappte prima.

Zuletzt gab es noch einen Einzel-Walkup, bei dem zunächst eine Markierung fiel, Hund und Hundeführer dann aber weiterliefen. Erst einige Zeit später durfte der Hund auf ein zweites Geräusch hin geschickt werden. Auch hier schlugen wir uns gut und ich war insgesamt total glücklich mit unserer Leistung von gestern. Nachwievor ist der brenzlige Moment stets der Beginn eines Trainings, bei dem Frieda immer noch sehr aufgeregt ist. Lief die erste Aufgabe gut, scheint auch der Rest kein großes Problem mehr zu sein, was das Fiepen angeht. Ich hoffe einfach, dass wir es beide nächsten Sonntag auch schaffen, so cool zu bleiben. Ich wahrscheinlich nicht. Also werde ich Frieda sicher keine Vorwürfe machen, egal, wie es läuft. 🙂 Hauptsache es macht Spaß und wir lernen etwas. Alles andere ist kein Beinbruch.

 

Reisebericht, Teil 2

August 8, 2011

Tag 9

In den letzten Tagen hatte sich die ganze Bande ausreichend erholt, sodass langsam die Aktivitäts- und Wandersehnsucht der (menschlichen) Urlauber erwachte. Da für den folgenden Tag ohnehin Gewitter am Atlantik vorhergesagt waren, brachen wir morgens gen Zentralmassiv auf.

Da Frank in einer weiteren Folge unserer beliebten Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie mittels seines Handyladegerätes die Sicherungen unserer Klimaanlage herausgehauen hatte, mussten wir die Fahrt jedoch schon bald für einen Werkstattbesuch unterbrechen. Obwohl wir mit unserem Auto bisher sehr zufrieden sind, hat es nämlich defintiv einen großen Fehler: Man kann so gut wie nichts selbst reparieren. Sogar die Sicherungen sind so verbaut, dass man nur mit speziellem Werkzeug an sie herankommt.

Während unser „Grafite“ also in der Werkstatt versorgt wurde, nutzten wir die Gunst der Stunde und gönnten uns ein Frühstück in einem netten Café in der Nähe. Naja, was der Franzose eben so Frühstück nennt. Es gab getoastetes Baguette mit Butter und Aprikosenmarmelade. Von Garnitur oder ähnlichem keine Spur. Aber wenigstens wurden wir nicht genötigt, die trockene Teigware in einer Schüssel Kakaogetränk zu ersäufen, wie ich es schon häufig erlebt habe.

Nachdem unsere Reisezeit so in die Länge gezogen wurde, kamen wir erst gegen 17 Uhr auf unserem neuen Campingplatz am Lac Chambon im Parc Naturel Régional des Volcans d’Auvergne an. Uns blieben noch zwei freie Stellplätze zu Auswahl, die beide nicht gerade bombastisch waren. Einer war winzig und am Rand des Campingplatzes an einem mückenbevölkerten Schlammbächlein gelegen, der andere mitten in der prallen Sonne an einer Fußwegkreuzung. Wir haben uns für das Mückenreservat entschieden. Irgendwie passte unser Tempelzelt dann auch auf die kleine Fläche, sodass wir nach Aufbau und Dusche ziemlich erschöpft das Campingplatzrestaurant für eine Stärkung ansteuerten.

Ich vermute mal, dass es an der Überzahl an holländischen Campinfreunden lag, aber die Speisekarte wartete vorwiegend mit allerhand frittierten Spezialitäten und lediglich Pizza als Alternative auf. Da uns der Sinn auch nicht gerade nach Gourmetfreuden stand und wir ohnehin viel zu platt waren, um Ansprüche zu erheben, entschieden wir uns für Pizza. Gut, Pizza in Frankreich, auch nicht die feine englische Art, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Problematisch ist nur, dass ich angesichts meiner bisherigen Pizzaerfahrungen in Frankreich und diesem (letzten) Versuch endgültig beschlossen habe, dass Franzosen einfach keine Pizza machen können. Und damit das jetzt nicht nach Diskriminierung klingt gebe ich an derselben Stelle auch gern offen zu, dass die Deutschen kein Baguette machen können. Und vor allem keine Croissants. Aber diese Pizza… matschiger Teig, viel zu viel billiger Käse und ungefähr eine ganze Dose Oregano. Yammeeee! Gut, satt gemacht hat sie.

Tag 10

Durch unsere späte Anreise am Vortag hatten wir noch wenig Zeit gehabt, um uns vor Ort zu orientieren. Über einen Rother Wanderführer für die Auvergne verfügten wir jedoch bereits, und so sollte unsere erste kleinere Tour uns durch das Naturreservat des Vallée de la Chaudefour führen. Am Startpunkt angekommen erwartete uns die erste Überraschung: massenweise parkende Autos. O.k., da sind wir wohl nicht die einzigen. Der nächste entscheidende Schlag folgte sogleich, als uns ein Schild am Beginn des Wanderweges darüber aufklärte, dass Hunde im Vallée de la Chaudefour grundsätzlich nicht erlaubt sind. Unter anderem wegen der Mufflons. Tja, so etwas muss man natürlich akzeptieren und grundsätzlich habe ich auch Verständnis dafür, wenn Hunde zum Schutz seltener Wildtiere in bestimmten Gebieten nicht erwünscht sind. Angesichts der wirklich beachtlichen Massen französischer und holländischer Familien, die mit Picknickrucksäcken bewaffnet angeführt von einer Horde kreischender Kinder den Wanderpfad vor uns betraten, frage ich mich jedoch, welches Mufflon so blöd ist, da noch nicht Reissaus genommen zu haben…

In diesem Moment wäre Plan B hilfreich gewesen. Den gab es jedoch nicht. Also sind wir zunächst recht unmotiviert zum Office de Tourisme im nahegelegenen Murol gefahren, wo wir immerhin eine brauchbare Wanderkarte der Umgebung erstanden. Da wir den restlichen Tag nicht mit sinnlosem Herumkurven im Auto verbringen wollten, haben wir uns anschließend für eine kleine Rundwanderung um Murol und seine Burg sowie den Lac Chambon herum entschlossen.

Der Lac Chambon:

Die Burg von Murol:

Wider Erwarten endete der Tag somit doch noch sehr schön, und auch Frieda kam durch ausreichend Schwimmgelegenheit im Lac nicht zu kurz. Zurück am Campingplatz nutzten wir die nahelegenen Flussläufe um uns und unser Feierabendbier erneut abzukühlen.

Irgendwas hat Madame wohl erschreckt, aber ich habe keine Ahnung mehr, was es war:

Tag 11

Dieser Tag sollte der Tag der großen Kammwanderung über die Puy der Auvergne werden. Denkste. War ja klar, dass es in der Nacht zuvor Gewitter geben musste und wir zum Anblick eines eher grauen und wolkenverhangenen Tages erwachten. Da Aufgeben jedoch nicht in Frage kam und für den Nachmittag Wetterbesserung vorhergesagt war, machten wir uns trotzdem um 9 Uhr auf in Richtung des Bergstädtchens Mont-Dore, von wo aus unsere Tour starten sollte.

Zunächst ging es von 1050 Metern stetig bergauf bis zum höchsten Punkt der Wanderung auf 1748 Meter. Nieselregen und Nebel machten das Ganze nicht gerade angenehm, aber zumindest wurde einem ordentlich warm beim Hinaufstapfen. Und zumindest Frieda hatte wohl kein Problem mit dem Wetter. Unterwegs kamen wir an der Grande Cascade, einem wohl recht beeindruckenden Wasserfall, vorbei. Zumindest einige Dunstverhangene Blicke konnte auch wir erhaschen.

Oben angekommen erwartete uns dieses vielversprechende Schild:

Leider sah das Ganze für uns dann so aus:

Auf unserem weiteren Weg auf den Kammhöhen des Massif du Sanncy wurde es leider immer matschiger, windiger und nasser. Plötzlich tauchten dann auch Schafe vor uns im Nebel auf, die wir eine Weile notgedrungen vor uns auf dem Pfad hertrieben.

Kurze Zeit später mussten wir nach zwei Stunden Aufstieg leider abbrechen. Wie bei einer Kammwanderung naheliegend wäre der Rest der Tour fast ausschließlich auf den ungeschützten Hochebenen verlaufen. Dichter Nebel, kalter Wind und nasse Füße ließen die Aussicht auf weitere vier Stunden dieser Art nicht gerade verlockend erscheinen. Und andere Aussichten gab es ja keine. 🙂

Am Ende waren wir froh, als wir wieder in unserem beheizten Auto saßen, und nach einer heißen Dusche verbrachten wir den Nachmittag gemütlich bei Kaffee, Butterkeksen und Buchlektüre vor dem Zelt.

Tag 12

Franks 30. sollte ein Reisetag werden, denn wir steuerten unseren letzten Stellplatz im Munstertal im Elsass an. Dort haben wir schon einige Male Urlaub gemacht und sind einfach begeistert von der Mischung aus Wandermöglichkeiten in den Vogesen und kulturellen sowie leiblichen Schmankerln der elsässischen Winzerdörfchen. Unterwegs wurde bereits für das abendliche Geburtstagsmahl eingekauft, sodass wir gut verpflegt am späten Nachmittag erneut unseren Zeltaufbau begannen. Davor machten wir jedoch einen Ausflug mit Frieda zum nahegelegenen Flußlauf, wo sich Madame abkühlen konnte und nach dem langen Fahrtag etwas bespaßt wurde. Es war sehr, sehr heiß und schwül, sodass uns die Errichtung unserer Unterkunft einige Liter an Schweiß kostete. Zu allem Überfluss waren für die Nacht und den folgenden Tag auch noch Gewitter und Regen vorhergesagt, sodass die Stimmung verbesserungswürdig war.

Nach dem ersten gut gekühlten Bier und einer bescheidenen, aber wohlschmeckenden Vorspeise sah die Welt jedoch schon wieder anders aus. Natürlich haben wir das Geburtstagskind noch ordentlich gefeiert und beschenkt. Doch aufgrund des schlechten Wetterberichts und unseres relativen Pechs der vorherigen Tage beschlossen wir noch am Abend am nächsten Tag gen Heimat aufzubrechen. Ein bisschen weh getan hat es ja schon, das Elsass so ganz unbegangen wieder zu verlassen, aber wir kommen bestimmt wieder! So viel ist sicher.

Rückblickend hat sich der Urlaub mit Hund im Zelt als absolut unproblematisch und angenehm herausgestellt. Insbesondere Frankreich, dass wir beide schon seit Langem als Reiseland lieben, hat sich auch hier wieder bewährt. Bereits jetzt planen wir an unserer nächsten Tour an den Atlantik. Allerdings — für mich persönlich am liebsten mit Wohnwagen! Man wir ja nicht jünger ;-), und der Aufwand des Auf- und Abbaus sowie die extreme Wetterabhängigkeit als Zelter gehen mir schon etwas auf den Keks. Doch Campen, das muss einfach sein!

Reisebericht, Teil 1

August 7, 2011

Ziel: Die Atlantikküste bei Bordeaux
Entfernung: 1435 km

Tag 1

Nachdem wir mit Frieda einen ausgiebigen Spaziergang inklusive Spiel mit ihrer besten Magyar-Vizsla-Kumpeline gemacht hatten, sind wir am Samstag um 12 Uhr gen Frankreich aufgebrochen. Frieda reiste wie gehabt auf dem Rücksitz, was während des gesamten Urlaubs prima geklappt hat. Tatsächlich hätten wir unser Gepäck andernfalls auch kaum unterbringen können. Geplant war, bis spät in den Abend zu fahren, bevor wir die Nacht in einem Etap- oder F1-Hotel an der Autobahn verbringen wollten.

Nachdem uns keinerelei Staus behelligten haben wir nach guten vier Stunden kurz vor der französischen Grenze noch einen Gassi- und Fütterungs-Stopp für Frieda eingelegt, bevor es dann ins Land der Nasale ging. Hach, sobald ich die ganzen französischen Ortsnamen und Schilder lese, geht mir doch immer das Herz auf – ich bin einfach wirklich gerne dort! Gegen 22 Uhr begann die Suche nach einer Unterkunft für die Nacht – und damit verbunden auch der erste Teil unserer Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie der Anreise. Wir hatten kein Hotel reserviert, da wir in unserem unendlichen jugendlichen Leichtsinn davon ausgegangen waren, schon irgendwo ein freies Plätzchen zu ergattern. Nach drei Stopps an verschiedenen Hotels, die alle voll waren, und Telefonaten mit weiteren, die sich ebenfalls „complet“ nannten, hatten wir keine andere Wahl, als die Nacht ungeplant im Auto zu verbringen. Um 12 Uhr steuerten wir einen Parkplatz irgendwo im Nirgendwo an und verbrachten mehr schlecht als recht fünf Stunden zusammengekauert auf den Vordersitzen. Frieda, die sich währenddessen auf der Rückbank ausbreiten konnte, schlief, glaube ich, ziemlich gut. 🙂

Tag 2

Nach einer wenig erholsamen Nacht ging es in aller Früh erneut auf die Strecke. Die Morgenstunden waren sehr zäh, unsere Körper wollten definitiv noch nicht so recht einsehen, dass das alles an Schlaf gewesen sein sollte, was ihnen vergönnt wurde. Um 7:30 Uhr hauchte uns ein Frühstück auf einem Rastplatz irgendwo im Zentralmassiv dann doch wieder etwas Leben ein. Ein überteuerter Kaffe und das erste Pain au Chocolat des Urlaubs vermochten die Stimmung erheblich zu heben. Frieda nahm alles hundetypisch gelassen hin, war dankbar für ihre Mahlzeit und ansonsten noch ziemlich verschlafen.

Nach einem weiteren Gassistopp vor Bordeaux erreichten wir gegen 12 Uhr erschöpft aber glücklich unser Ziel. Nachdem uns unser Zeltplatz zugewiesen worden war, ging es natürlich zuerst an den Strand. In weniger als zehn Minuten ist man vom Campinplatz über die Dünen am Atlantik – und der ist wunderschöööööööön! Der Strand ist breit und endlos, das Meer ein richtiges Meer (sorry, aber das Mittelmeer ist echt eine Badewanne).

Zurück auf dem Platz ereilte uns der nächste Schreck: Zeltstangen vergessen, ein Klassiker. Schlaue Füchse, die wir sind, haben wir die Stangen nicht im Zeltsack aufbewahrt, diese aber beim Packen dann auch geflissentlich ignoriert. Tja, da rächt sich der Zustand, in dem ich nach meiner Prüfung die Sachen zusammengesucht hatte. Nur was tun an einem Sonntagnachmittag? Da haben nicht mal mehr im liberalen Frankreich die Supermärkte geöffnet. Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen, der Supergau war perfekt. Freundlicherweise öffnete der Inhaber eines Strandartikelladens am Campingplatz unserer Not seine Pforten und verkaufte Frank ein mutmaßliches 2-Personen-Zelt für 19 Euro. Das beste, was sie hatten. Gut, für eine Nacht sollte das nun wirklich reichen, eine Steigerung zum Autositz ist es allemal.

Beim Aufbau unserer Errungenschaft stellte sich schnell heraus, dass das Zelt kein Innenzelt besaß, nicht wasserdicht war und außerdem… hmmm… sagen wir mal: etwas zu kurz war. Letztlich verbrachten wir die Nacht in einem viel zu kleinen Zelt (nicht mal die Isomatten passten nebeneinander wirklich rein, die Füße mussten während der Nacht aus dem Zelt hängen), das wir aufgrund des Dauerregens unter unser wasserdichtes Sonnenzelt bugsierten, während Frieda in ihrem Kennel vor unserem Zelt nächtigte. Erneut bin ich mir sicher, dass sie deutlich mehr Platz hatte. 🙂 Ich glaube, die anderen Camper haben uns für komplette Spinner gehalten, der gesamte Aufbau sah wirklich abenteuerlich aus. Leider existiert kein Foto, jedoch gibt es diese Aufnahme von unserem blauen Superzelt:

Tag 3

In allen Wetterberichten war der Montag als Regentag vorhergesagt worden. Und die Berichte behielten Recht. Während Frank mit Frieda eine einsame Strandrunde drehte, bin ich in aller Früh gen St. Médard aufgebrochen, um uns ein vernünftiges neues Zelt zu organisieren. Letztlich hatte ich die Wahl zwischen einem besseren 2-Personen-Zelt oder einem 8-Mann-Tempel. Ich habe mich für den Tempel entschieden. Nachdem alles aufgebaut war, konnten wir schließlich um 14 Uhr im Trockenen frühstücken. Ein denkwürdiger Moment!

Ansonsten gibt es zu diesem Tag nicht viel zu sagen. Erleichterung, Erschöpfung, Erholung. In dieser Reihenfolge.

Tag 4

Der Dienstagmorgen begrüßte uns zwar weiterhin bewölkt, aber trocken. Ein erstes Frühstück im Freien ließ zaghafte Urlaubsgefühle aufkommen. Hier unser wirklich toller Stellplatz am Rand des Campingplatzes in Richtung Strand; und unser neues Zelt darauf:

Danach machten wir einen ersten längeren Spaziergang mit Frieda in den Pinienwäldern an den Dünen. Früher sind wir diese Wege mit dem Fahrrad öfters gefahren, aber ich war begeistert, wie schön die Gegend auch zu Fuß mit Hund ist. Man kann im Prinzip ewig in eine Richtung laufen, bevor man irgendwann den nächsten kleinen Küstenort erreicht. So weit sind wir jedoch nicht gekommen, sondern stattdessen irgendwann über die Dünen gezockelt und am Meer zurückgelaufen. Und spätestens Jetzt stellte sich absolutes Atlantik-Urlaubs-Feeling ein. Endlich da!

Der Weg über die Dünen:

Und dann kommt das Meer:

Aber jetzt gab es für unser Friedrich kein Halten mehr. Respekt vor den Wellen hatte sie keinen und wurde von der ein oder anderen auch mal geschluckt. Keuchend und prustend sah sie dabei dennoch immer seeeeeehr glücklich aus.

Tag 4-8

Die nächsten vier Tage bestanden aus perfektem Strandwetter bei blauem Himmel und angenehm warmen Temperaturen. Der traditionelle Tagesablauf begann mit einer kleinen Strandrunde von Frieda und Frank, während ich mit den Frühstücksvorbereitungen beschäftigt war. Da ich zu Hause fast alle Gassigänge mit Frieda alleine bestreite, lasse ich meiner besseren Hälfte im Urlaub gerne mal den Vortritt. 🙂

Nach einer ausgiebigen Mahlzeit bestehend aus Baguette, Pain au Chocolat, Käse (hmmmm, der ist so gut in Frankreich!), Früchten und Kaffe wurde sich langsam für den Tag am Strand vorbereitet. Bewaffnet mit allerhand Lektüre, Strandmatten und Sonnenschutz ging es anschließend los. Bereits wenige hundert Meter vom Hauptstrand entfernt findet man mühelos Stellen, an denen man zumindest bis zum Nachmittag fast ganz allein ist. Einfach Wahnsinn, wieviel Platz dort am Strand ist. Zeit, es sich gemütlich zu machen:

Obwohl ich schon viele Male dort war, hatte ich vor unserer Fahrt doch Sorge, wie der Urlaub wohl mit Hund werden würde. Und ich bin nachwievor absolut begeistert, wie entspannt und freundlich die Franzosen Hunden gegenüber sind. Überall am Strand waren Hunde, die fast ausnahmslos frei herumliefen. Dabei waren die wenigsten kleine Vertreter ihrer Gattung: Schäferhunde, Boxer, Labradore, Dobermänner – alles lief entspannt zwischen den Menschen umher, ohne dass sich irgendwer an ihnen störte.

Während die Strandsituation für Frieda zu Beginn noch neu war und sie in menschenleeren Bereichen auch mal angeschlagen hat, wenn plötzlich jemand an unserem Zelt vorbeikam, hatte sie sich nach wenigen Tagen an die Umgebung gewöhnt. Zuletzt haben wir sogar unweit vom Hauptstrand am vollen Sonntag mit einer unangeleinten Frieda zwischen anderen Badegästen im Meer geplanscht – und sowohl Frieda als auch die übrigen Hunde, Erwachsene und Kinder kamen absolut friedlich miteinander aus. Ich fand es einfach toll, zu sehen, dass so etwas auch möglich ist – in Deutschland fühle ich mich mit Hund oft unerwünscht und reglementiert, dort am Meer wurde Frieda stets mit einem freundlichen Lächeln bedacht.

Hier noch ein paar Bilder von unseren Spaziergängen am endlosen Sandstrand:

Fortsetzung folgt…

Wieder zurück!

August 6, 2011

Wir sind wieder da. Und haben selbstverständlich viele Fotos und einen Reisebericht mitgebracht, der sich jedoch noch in Arbeit befindet Aber vorweg kann ich sagen: Es war schöööööööön! Bereits jetzt werde ich bei den Bildern wehmütig…