Reisebericht, Teil 1

Ziel: Die Atlantikküste bei Bordeaux
Entfernung: 1435 km

Tag 1

Nachdem wir mit Frieda einen ausgiebigen Spaziergang inklusive Spiel mit ihrer besten Magyar-Vizsla-Kumpeline gemacht hatten, sind wir am Samstag um 12 Uhr gen Frankreich aufgebrochen. Frieda reiste wie gehabt auf dem Rücksitz, was während des gesamten Urlaubs prima geklappt hat. Tatsächlich hätten wir unser Gepäck andernfalls auch kaum unterbringen können. Geplant war, bis spät in den Abend zu fahren, bevor wir die Nacht in einem Etap- oder F1-Hotel an der Autobahn verbringen wollten.

Nachdem uns keinerelei Staus behelligten haben wir nach guten vier Stunden kurz vor der französischen Grenze noch einen Gassi- und Fütterungs-Stopp für Frieda eingelegt, bevor es dann ins Land der Nasale ging. Hach, sobald ich die ganzen französischen Ortsnamen und Schilder lese, geht mir doch immer das Herz auf – ich bin einfach wirklich gerne dort! Gegen 22 Uhr begann die Suche nach einer Unterkunft für die Nacht – und damit verbunden auch der erste Teil unserer Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie der Anreise. Wir hatten kein Hotel reserviert, da wir in unserem unendlichen jugendlichen Leichtsinn davon ausgegangen waren, schon irgendwo ein freies Plätzchen zu ergattern. Nach drei Stopps an verschiedenen Hotels, die alle voll waren, und Telefonaten mit weiteren, die sich ebenfalls „complet“ nannten, hatten wir keine andere Wahl, als die Nacht ungeplant im Auto zu verbringen. Um 12 Uhr steuerten wir einen Parkplatz irgendwo im Nirgendwo an und verbrachten mehr schlecht als recht fünf Stunden zusammengekauert auf den Vordersitzen. Frieda, die sich währenddessen auf der Rückbank ausbreiten konnte, schlief, glaube ich, ziemlich gut. 🙂

Tag 2

Nach einer wenig erholsamen Nacht ging es in aller Früh erneut auf die Strecke. Die Morgenstunden waren sehr zäh, unsere Körper wollten definitiv noch nicht so recht einsehen, dass das alles an Schlaf gewesen sein sollte, was ihnen vergönnt wurde. Um 7:30 Uhr hauchte uns ein Frühstück auf einem Rastplatz irgendwo im Zentralmassiv dann doch wieder etwas Leben ein. Ein überteuerter Kaffe und das erste Pain au Chocolat des Urlaubs vermochten die Stimmung erheblich zu heben. Frieda nahm alles hundetypisch gelassen hin, war dankbar für ihre Mahlzeit und ansonsten noch ziemlich verschlafen.

Nach einem weiteren Gassistopp vor Bordeaux erreichten wir gegen 12 Uhr erschöpft aber glücklich unser Ziel. Nachdem uns unser Zeltplatz zugewiesen worden war, ging es natürlich zuerst an den Strand. In weniger als zehn Minuten ist man vom Campinplatz über die Dünen am Atlantik – und der ist wunderschöööööööön! Der Strand ist breit und endlos, das Meer ein richtiges Meer (sorry, aber das Mittelmeer ist echt eine Badewanne).

Zurück auf dem Platz ereilte uns der nächste Schreck: Zeltstangen vergessen, ein Klassiker. Schlaue Füchse, die wir sind, haben wir die Stangen nicht im Zeltsack aufbewahrt, diese aber beim Packen dann auch geflissentlich ignoriert. Tja, da rächt sich der Zustand, in dem ich nach meiner Prüfung die Sachen zusammengesucht hatte. Nur was tun an einem Sonntagnachmittag? Da haben nicht mal mehr im liberalen Frankreich die Supermärkte geöffnet. Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen, der Supergau war perfekt. Freundlicherweise öffnete der Inhaber eines Strandartikelladens am Campingplatz unserer Not seine Pforten und verkaufte Frank ein mutmaßliches 2-Personen-Zelt für 19 Euro. Das beste, was sie hatten. Gut, für eine Nacht sollte das nun wirklich reichen, eine Steigerung zum Autositz ist es allemal.

Beim Aufbau unserer Errungenschaft stellte sich schnell heraus, dass das Zelt kein Innenzelt besaß, nicht wasserdicht war und außerdem… hmmm… sagen wir mal: etwas zu kurz war. Letztlich verbrachten wir die Nacht in einem viel zu kleinen Zelt (nicht mal die Isomatten passten nebeneinander wirklich rein, die Füße mussten während der Nacht aus dem Zelt hängen), das wir aufgrund des Dauerregens unter unser wasserdichtes Sonnenzelt bugsierten, während Frieda in ihrem Kennel vor unserem Zelt nächtigte. Erneut bin ich mir sicher, dass sie deutlich mehr Platz hatte. 🙂 Ich glaube, die anderen Camper haben uns für komplette Spinner gehalten, der gesamte Aufbau sah wirklich abenteuerlich aus. Leider existiert kein Foto, jedoch gibt es diese Aufnahme von unserem blauen Superzelt:

Tag 3

In allen Wetterberichten war der Montag als Regentag vorhergesagt worden. Und die Berichte behielten Recht. Während Frank mit Frieda eine einsame Strandrunde drehte, bin ich in aller Früh gen St. Médard aufgebrochen, um uns ein vernünftiges neues Zelt zu organisieren. Letztlich hatte ich die Wahl zwischen einem besseren 2-Personen-Zelt oder einem 8-Mann-Tempel. Ich habe mich für den Tempel entschieden. Nachdem alles aufgebaut war, konnten wir schließlich um 14 Uhr im Trockenen frühstücken. Ein denkwürdiger Moment!

Ansonsten gibt es zu diesem Tag nicht viel zu sagen. Erleichterung, Erschöpfung, Erholung. In dieser Reihenfolge.

Tag 4

Der Dienstagmorgen begrüßte uns zwar weiterhin bewölkt, aber trocken. Ein erstes Frühstück im Freien ließ zaghafte Urlaubsgefühle aufkommen. Hier unser wirklich toller Stellplatz am Rand des Campingplatzes in Richtung Strand; und unser neues Zelt darauf:

Danach machten wir einen ersten längeren Spaziergang mit Frieda in den Pinienwäldern an den Dünen. Früher sind wir diese Wege mit dem Fahrrad öfters gefahren, aber ich war begeistert, wie schön die Gegend auch zu Fuß mit Hund ist. Man kann im Prinzip ewig in eine Richtung laufen, bevor man irgendwann den nächsten kleinen Küstenort erreicht. So weit sind wir jedoch nicht gekommen, sondern stattdessen irgendwann über die Dünen gezockelt und am Meer zurückgelaufen. Und spätestens Jetzt stellte sich absolutes Atlantik-Urlaubs-Feeling ein. Endlich da!

Der Weg über die Dünen:

Und dann kommt das Meer:

Aber jetzt gab es für unser Friedrich kein Halten mehr. Respekt vor den Wellen hatte sie keinen und wurde von der ein oder anderen auch mal geschluckt. Keuchend und prustend sah sie dabei dennoch immer seeeeeehr glücklich aus.

Tag 4-8

Die nächsten vier Tage bestanden aus perfektem Strandwetter bei blauem Himmel und angenehm warmen Temperaturen. Der traditionelle Tagesablauf begann mit einer kleinen Strandrunde von Frieda und Frank, während ich mit den Frühstücksvorbereitungen beschäftigt war. Da ich zu Hause fast alle Gassigänge mit Frieda alleine bestreite, lasse ich meiner besseren Hälfte im Urlaub gerne mal den Vortritt. 🙂

Nach einer ausgiebigen Mahlzeit bestehend aus Baguette, Pain au Chocolat, Käse (hmmmm, der ist so gut in Frankreich!), Früchten und Kaffe wurde sich langsam für den Tag am Strand vorbereitet. Bewaffnet mit allerhand Lektüre, Strandmatten und Sonnenschutz ging es anschließend los. Bereits wenige hundert Meter vom Hauptstrand entfernt findet man mühelos Stellen, an denen man zumindest bis zum Nachmittag fast ganz allein ist. Einfach Wahnsinn, wieviel Platz dort am Strand ist. Zeit, es sich gemütlich zu machen:

Obwohl ich schon viele Male dort war, hatte ich vor unserer Fahrt doch Sorge, wie der Urlaub wohl mit Hund werden würde. Und ich bin nachwievor absolut begeistert, wie entspannt und freundlich die Franzosen Hunden gegenüber sind. Überall am Strand waren Hunde, die fast ausnahmslos frei herumliefen. Dabei waren die wenigsten kleine Vertreter ihrer Gattung: Schäferhunde, Boxer, Labradore, Dobermänner – alles lief entspannt zwischen den Menschen umher, ohne dass sich irgendwer an ihnen störte.

Während die Strandsituation für Frieda zu Beginn noch neu war und sie in menschenleeren Bereichen auch mal angeschlagen hat, wenn plötzlich jemand an unserem Zelt vorbeikam, hatte sie sich nach wenigen Tagen an die Umgebung gewöhnt. Zuletzt haben wir sogar unweit vom Hauptstrand am vollen Sonntag mit einer unangeleinten Frieda zwischen anderen Badegästen im Meer geplanscht – und sowohl Frieda als auch die übrigen Hunde, Erwachsene und Kinder kamen absolut friedlich miteinander aus. Ich fand es einfach toll, zu sehen, dass so etwas auch möglich ist – in Deutschland fühle ich mich mit Hund oft unerwünscht und reglementiert, dort am Meer wurde Frieda stets mit einem freundlichen Lächeln bedacht.

Hier noch ein paar Bilder von unseren Spaziergängen am endlosen Sandstrand:

Fortsetzung folgt…

4 Antworten to “Reisebericht, Teil 1”

  1. Kathrin mit Jamie und Pippin Says:

    Hach, obwohl ich ja schon viel gehört habe, gestern, habe ich den Bericht auch verschlungen und fand ihn sehr, sehr spannend – und witzig, ja, schon 🙂 Ich freue mich auf die Fortsetzung!

  2. gizmolch Says:

    Na, der erste Teil liest sich ja super! Das mit dem Zeltgestänge hätten wir sein können! ; )
    Und ich habs doch gesagt, Frieda gewöhnt sich ratzfatz an die neue Umgebung. Und scheinbar ist Frankreich ja ein super Hundeurlaubsland. Mal sehen, wann es uns dahin verschlägt.

  3. Carolin Says:

    Huhu, mensch ich bin erst jetzt dazugekommen, deinen Urlaubsbericht zu lesen und die wunderschönen Bilder anzuschauen ;))) Soooooooooooooo schön!!!!!!!!!!!!!

    LG Carolin

    • ppfrieda Says:

      Hey Carolin, ich freue mich aber totaaaaal, dass Du mal wieder hergefunden hast. Und ja, ich kann die Atlantikküste mit Hund nur empfehlen. 🙂 Übrigens habe ich schon diverse Mal versucht, Dich mal telefonisch zu erreichen, und noch viel häufiger daran gedacht. Ich werde nicht aufgeben. 😉

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