Reisebericht, Teil 2

Tag 9

In den letzten Tagen hatte sich die ganze Bande ausreichend erholt, sodass langsam die Aktivitäts- und Wandersehnsucht der (menschlichen) Urlauber erwachte. Da für den folgenden Tag ohnehin Gewitter am Atlantik vorhergesagt waren, brachen wir morgens gen Zentralmassiv auf.

Da Frank in einer weiteren Folge unserer beliebten Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie mittels seines Handyladegerätes die Sicherungen unserer Klimaanlage herausgehauen hatte, mussten wir die Fahrt jedoch schon bald für einen Werkstattbesuch unterbrechen. Obwohl wir mit unserem Auto bisher sehr zufrieden sind, hat es nämlich defintiv einen großen Fehler: Man kann so gut wie nichts selbst reparieren. Sogar die Sicherungen sind so verbaut, dass man nur mit speziellem Werkzeug an sie herankommt.

Während unser „Grafite“ also in der Werkstatt versorgt wurde, nutzten wir die Gunst der Stunde und gönnten uns ein Frühstück in einem netten Café in der Nähe. Naja, was der Franzose eben so Frühstück nennt. Es gab getoastetes Baguette mit Butter und Aprikosenmarmelade. Von Garnitur oder ähnlichem keine Spur. Aber wenigstens wurden wir nicht genötigt, die trockene Teigware in einer Schüssel Kakaogetränk zu ersäufen, wie ich es schon häufig erlebt habe.

Nachdem unsere Reisezeit so in die Länge gezogen wurde, kamen wir erst gegen 17 Uhr auf unserem neuen Campingplatz am Lac Chambon im Parc Naturel Régional des Volcans d’Auvergne an. Uns blieben noch zwei freie Stellplätze zu Auswahl, die beide nicht gerade bombastisch waren. Einer war winzig und am Rand des Campingplatzes an einem mückenbevölkerten Schlammbächlein gelegen, der andere mitten in der prallen Sonne an einer Fußwegkreuzung. Wir haben uns für das Mückenreservat entschieden. Irgendwie passte unser Tempelzelt dann auch auf die kleine Fläche, sodass wir nach Aufbau und Dusche ziemlich erschöpft das Campingplatzrestaurant für eine Stärkung ansteuerten.

Ich vermute mal, dass es an der Überzahl an holländischen Campinfreunden lag, aber die Speisekarte wartete vorwiegend mit allerhand frittierten Spezialitäten und lediglich Pizza als Alternative auf. Da uns der Sinn auch nicht gerade nach Gourmetfreuden stand und wir ohnehin viel zu platt waren, um Ansprüche zu erheben, entschieden wir uns für Pizza. Gut, Pizza in Frankreich, auch nicht die feine englische Art, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Problematisch ist nur, dass ich angesichts meiner bisherigen Pizzaerfahrungen in Frankreich und diesem (letzten) Versuch endgültig beschlossen habe, dass Franzosen einfach keine Pizza machen können. Und damit das jetzt nicht nach Diskriminierung klingt gebe ich an derselben Stelle auch gern offen zu, dass die Deutschen kein Baguette machen können. Und vor allem keine Croissants. Aber diese Pizza… matschiger Teig, viel zu viel billiger Käse und ungefähr eine ganze Dose Oregano. Yammeeee! Gut, satt gemacht hat sie.

Tag 10

Durch unsere späte Anreise am Vortag hatten wir noch wenig Zeit gehabt, um uns vor Ort zu orientieren. Über einen Rother Wanderführer für die Auvergne verfügten wir jedoch bereits, und so sollte unsere erste kleinere Tour uns durch das Naturreservat des Vallée de la Chaudefour führen. Am Startpunkt angekommen erwartete uns die erste Überraschung: massenweise parkende Autos. O.k., da sind wir wohl nicht die einzigen. Der nächste entscheidende Schlag folgte sogleich, als uns ein Schild am Beginn des Wanderweges darüber aufklärte, dass Hunde im Vallée de la Chaudefour grundsätzlich nicht erlaubt sind. Unter anderem wegen der Mufflons. Tja, so etwas muss man natürlich akzeptieren und grundsätzlich habe ich auch Verständnis dafür, wenn Hunde zum Schutz seltener Wildtiere in bestimmten Gebieten nicht erwünscht sind. Angesichts der wirklich beachtlichen Massen französischer und holländischer Familien, die mit Picknickrucksäcken bewaffnet angeführt von einer Horde kreischender Kinder den Wanderpfad vor uns betraten, frage ich mich jedoch, welches Mufflon so blöd ist, da noch nicht Reissaus genommen zu haben…

In diesem Moment wäre Plan B hilfreich gewesen. Den gab es jedoch nicht. Also sind wir zunächst recht unmotiviert zum Office de Tourisme im nahegelegenen Murol gefahren, wo wir immerhin eine brauchbare Wanderkarte der Umgebung erstanden. Da wir den restlichen Tag nicht mit sinnlosem Herumkurven im Auto verbringen wollten, haben wir uns anschließend für eine kleine Rundwanderung um Murol und seine Burg sowie den Lac Chambon herum entschlossen.

Der Lac Chambon:

Die Burg von Murol:

Wider Erwarten endete der Tag somit doch noch sehr schön, und auch Frieda kam durch ausreichend Schwimmgelegenheit im Lac nicht zu kurz. Zurück am Campingplatz nutzten wir die nahelegenen Flussläufe um uns und unser Feierabendbier erneut abzukühlen.

Irgendwas hat Madame wohl erschreckt, aber ich habe keine Ahnung mehr, was es war:

Tag 11

Dieser Tag sollte der Tag der großen Kammwanderung über die Puy der Auvergne werden. Denkste. War ja klar, dass es in der Nacht zuvor Gewitter geben musste und wir zum Anblick eines eher grauen und wolkenverhangenen Tages erwachten. Da Aufgeben jedoch nicht in Frage kam und für den Nachmittag Wetterbesserung vorhergesagt war, machten wir uns trotzdem um 9 Uhr auf in Richtung des Bergstädtchens Mont-Dore, von wo aus unsere Tour starten sollte.

Zunächst ging es von 1050 Metern stetig bergauf bis zum höchsten Punkt der Wanderung auf 1748 Meter. Nieselregen und Nebel machten das Ganze nicht gerade angenehm, aber zumindest wurde einem ordentlich warm beim Hinaufstapfen. Und zumindest Frieda hatte wohl kein Problem mit dem Wetter. Unterwegs kamen wir an der Grande Cascade, einem wohl recht beeindruckenden Wasserfall, vorbei. Zumindest einige Dunstverhangene Blicke konnte auch wir erhaschen.

Oben angekommen erwartete uns dieses vielversprechende Schild:

Leider sah das Ganze für uns dann so aus:

Auf unserem weiteren Weg auf den Kammhöhen des Massif du Sanncy wurde es leider immer matschiger, windiger und nasser. Plötzlich tauchten dann auch Schafe vor uns im Nebel auf, die wir eine Weile notgedrungen vor uns auf dem Pfad hertrieben.

Kurze Zeit später mussten wir nach zwei Stunden Aufstieg leider abbrechen. Wie bei einer Kammwanderung naheliegend wäre der Rest der Tour fast ausschließlich auf den ungeschützten Hochebenen verlaufen. Dichter Nebel, kalter Wind und nasse Füße ließen die Aussicht auf weitere vier Stunden dieser Art nicht gerade verlockend erscheinen. Und andere Aussichten gab es ja keine. 🙂

Am Ende waren wir froh, als wir wieder in unserem beheizten Auto saßen, und nach einer heißen Dusche verbrachten wir den Nachmittag gemütlich bei Kaffee, Butterkeksen und Buchlektüre vor dem Zelt.

Tag 12

Franks 30. sollte ein Reisetag werden, denn wir steuerten unseren letzten Stellplatz im Munstertal im Elsass an. Dort haben wir schon einige Male Urlaub gemacht und sind einfach begeistert von der Mischung aus Wandermöglichkeiten in den Vogesen und kulturellen sowie leiblichen Schmankerln der elsässischen Winzerdörfchen. Unterwegs wurde bereits für das abendliche Geburtstagsmahl eingekauft, sodass wir gut verpflegt am späten Nachmittag erneut unseren Zeltaufbau begannen. Davor machten wir jedoch einen Ausflug mit Frieda zum nahegelegenen Flußlauf, wo sich Madame abkühlen konnte und nach dem langen Fahrtag etwas bespaßt wurde. Es war sehr, sehr heiß und schwül, sodass uns die Errichtung unserer Unterkunft einige Liter an Schweiß kostete. Zu allem Überfluss waren für die Nacht und den folgenden Tag auch noch Gewitter und Regen vorhergesagt, sodass die Stimmung verbesserungswürdig war.

Nach dem ersten gut gekühlten Bier und einer bescheidenen, aber wohlschmeckenden Vorspeise sah die Welt jedoch schon wieder anders aus. Natürlich haben wir das Geburtstagskind noch ordentlich gefeiert und beschenkt. Doch aufgrund des schlechten Wetterberichts und unseres relativen Pechs der vorherigen Tage beschlossen wir noch am Abend am nächsten Tag gen Heimat aufzubrechen. Ein bisschen weh getan hat es ja schon, das Elsass so ganz unbegangen wieder zu verlassen, aber wir kommen bestimmt wieder! So viel ist sicher.

Rückblickend hat sich der Urlaub mit Hund im Zelt als absolut unproblematisch und angenehm herausgestellt. Insbesondere Frankreich, dass wir beide schon seit Langem als Reiseland lieben, hat sich auch hier wieder bewährt. Bereits jetzt planen wir an unserer nächsten Tour an den Atlantik. Allerdings — für mich persönlich am liebsten mit Wohnwagen! Man wir ja nicht jünger ;-), und der Aufwand des Auf- und Abbaus sowie die extreme Wetterabhängigkeit als Zelter gehen mir schon etwas auf den Keks. Doch Campen, das muss einfach sein!

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