Verbuchen und vergessen

Das ist wohl das, was ich mit dem vergangenen Alpenrand-Cup-Start von Frieda und mir machen werde. Bereits im Vorfeld schwante mir Böses, denn Frieda war seit der JP/R recht aufgedreht. Letzte Woche hat sie noch dazu das Einspringen plötzlich für sich entdeckt – etwas, womit wir bisher keine nennenswerten Probleme hatten. Zwar habe ich diese Frage mit Franks Hilfe kurzfristig wieder klären können, aber die besten Voraussetzungen für einen WT-Start waren es dennoch nicht.

Frieda und ich starteten in der Schnupperklasse, und ich hatte mir fest vorgenommen, sie nicht apportieren zu lassen, wenn sie in der Aufgabe winseln würde. Der Fatalismus, den mein Hund mich mittlerweile gelehrt hat, kann auch sehr beruhigend sein – ich war ziemlich entspannt, als es an die erste Aufgabe ging. Natürlich weiß ich nicht, ob es sich somit um eine self-fulfilling prophecy handelte, aber als Frieda den Helfer im Wald stehen sah, fing es an… Grrrrrh. Nun warf der Helfer das Dummy jedoch nicht an die vom Richter ausgewiesene Stelle, sodass wir unverrichteter Dinge wieder gehen sollten, um später nochmal anzutreten. Eigentlich ja ganz gut für uns. Oder auch nicht. Beim zweiten Versuch war Frieda im Gegenteil noch geladener – und sprang ein! Gott sei Dank konnte ich sie zurückrufen, sodass sie wenigstens nicht zum Erfolg kam. Ein dritter angeleinter Versuch folgte. Zu allem Überfluss sollte bei der Aufgabe auch noch von der Markierung weggedreht und erst nach einigen Metern Fußlaufen geschickt werden. Frieda missfiel dies eindeutig, was sie auch durch emsiges Fiepen kundtat. Nun gut, ich sagte dem Richter, dass ich Frieda so lieber nicht auf das Dummy schicken wollte. Der Richter hatte, glaube ich, gar nicht wirklich etwas dagegen. Dummerweise ließ ich mir von einem weiteren Helfer reinquatschen, der doch lieber mal abwarten wollte, ob Frieda sich nicht beruhigen würde. Das tat Madame tatsächlich und war nach kurzer Zeit wenigstens still. Ich persönlich hätte sie dafür lieber anderweitig und nicht mit dem Dummy ihrer Begierde belohnt, aber letztlich ließ ich mich doch wieder unter Druck setzen und schickte sie. Der Rest lief natürlich super, wobei ich den Eindruck hatte, dass der Richter ob unseres bisherigen Auftritts schon etwas verwundert angesichts der perfekten Abgabe war. Tja, auch wir nehmen nicht jede Baustelle mit. 😉

Bei der nächsten Aufgabe fragte ich den Richter, ob wir die Aufgabe ohne Schuss absolvieren könnten. Gesagt, getan. Frieda blieb trotzdem nicht still, als das Dummy fiel. Ich sagte entschieden, dass ich sie dann lieber wieder anleinen wolle. Es wäre um zwei Vorans in ein kleines Suchengebiet gegangen. Dieses Mal erntete ich allerdings nur Lob und Anerkennung für meine Entscheidung und tatsächlich zwei Mitleidspunkte. 🙂 Der Richter tröstete mich: „Ich habe auch schon mal so einen Hund gehabt.“ Hmpf.

In der Wartezone hörte ich anderen Teilnehmer, die von ihren Aufgaben berichteten: „Es lief ganz gut, sie hat sogar recht schnell gesucht.“ Oder: „Heute ist er richtig schön motiviert.“ Hmmmmmm. Frieda? Hörst Du das? Einfach cool bleiben! 🙂 In der Wartezone ist Frieda mittlerweile übrigens ein ziemlicher Engel. Sie ist brav, entspannt, ich kann sie ablegen und mich von ihr entfernen etc. Reines Zuschauen bei Workingtests würde uns also vermutlich nicht wirklich weiterbringen, denn wir brauchen die Situation im Wald beim Richter zum Üben.

Die dritte Aufgabe absolvierten wir tatsächlich mal komplett und fiepfrei. Hier wurde allerdings auch nicht geschossen und die Dummies fielen recht unspektakulär vor einem auf den Weg. Dennoch bin ich froh, dass Frieda zwischendurch wenigstens so weit runterkommt, dass sie bei geringerem Reiz ruhig bleiben kann. Dank unserer dennoch vebesserungswürdigen Fußarbeit gab es für diese Aufgabe ein „Gut“. Für mich persönlich war es in dieser Situation ein „Vorzüglich“.

Die letzte Aufgabe war dann – mal wieder – eine Einzelmarkierung mit Schuss im Wald. Was für andere schön einfach ist, wird für uns zum unüberwindbaren Hindernis. Bereits als wir neben dem Richter ankamen, winselte Frieda fröhlich drauf los. Ich sagte, dass ich Frieda so nicht schicken wolle, und wir bastelten die Aufgabe schnell ein wenig um. Nach Fallen des Dummies sollten Frieda und ich angeleint auf das Dummy zugehen, dann aber umdrehen und die Aufgabe beenden. Das tat ich auch und war froh, als endlich alles vorbei war. So wirklich angenehm ist das nicht, wenn man zwar anerkennende aber auch mitleidige Blicke erntet – ich glaube, dass manch einer in uns einen hoffnungslosen Fall sah.

Ich für meinen Teil bin natürlich schon irgendwie zerknirscht, auch wenn ich im Prinzip ja genau von diesem Fall ausgegangen war. JP/R und Dummyferien haben meine Raktete ganz schön hochgepusht, was ja auch irgendwie auf meinem eigenen Mist gewachsen ist. Nun gehen wir in die Winterpause und konzentrieren uns wieder ganz auf den Grundgehorsam und die Steadiness. Frieda ist in jedem Fall eine echte Herausforderung, aber als hoffnungslosen Fall will ich uns auch noch nicht so recht sehen.

7 Antworten to “Verbuchen und vergessen”

  1. Kathrin mit Jamie und Pippin Says:

    Ich kann Dir absolut nachempfinden, wie frustrierend das ist. Und ich hab`s nie geschafft, bei einem WT Jamie wieder anzuleinen und zu gehen (allerdings manchmal auch, weil sie einfach zu schnell weg und im Gegensatz zu Frieda nicht zu stoppen war 🙂 ). Jedenfalls kommt Frieda bestimmt wieder runter von ihrem jetzigen High und dann geht es weiter; sie kann ja auch anders – wie bei der JPR. Fühl Dich gedrückt!

  2. gizmolch Says:

    Ach, lasst Euch nicht unterkriegen. Vielleicht waren die letzten Wochen einfach auch ein wenig zu viel. Ihr bekommt das schon hin! Und wegen der Fieperei: Gizmo hat auch grad solch Anwandlungen. Keine Ahnung warum…

  3. working mudpaws Says:

    Also…. sowas will ich ja überhaupt nicht hören!!! Ihr seid kein „hoffnungsloser Fall“! Ich verspreche dir …. das ihr es schafft! Frieda ist eine ganz schlaue Maus und du hast ein gutes Händchen für sie. Manchmal fehlt es an einem zündenden Erlebnis und dann wirds nach und nach besser! … und dann fragen wir noch Frau Evans …. Lass nur den Kopf nicht hängen – drück Dich-

  4. ppfrieda Says:

    Danke, ihr seid alle sehr lieb! 🙂 Ich denke auch, dass die letzten Wochen einfach ein bisschen zu viel waren. Aufgeben werde ich deshalb sicherlich nicht. Jetzt wird erstmal die Erwartungshaltung wieder runtergefahren und dann schauen wir weiter…

  5. Anke Says:

    Hoffnungsloser Fall? Ihr doch nicht!!! Es gibt eben solche Phasen… und ich bin mir sicher, dass ihr das wieder gewuppt kriegt.

  6. Melanie Says:

    Liebe Sarah,

    laß Dich nicht unterkriegen! Denk mal an die ganzen kleinen Erfolge, die ihr Beide erreicht habt (von denen ich noch weit weg bin).

    Das steht mir am 17.11. wohl so oder ähnlich auch bevor!
    Blöd ist halt, daß man Richtersituationen eben nicht üben kann. Auch wenn alles andere (meist) inzwischen gut klappt, man weiß bei unseren Überraschungspaketen halt nie, was kommt ;-/
    Dafür sind sie schnell (duckundweg).

    Liebe Grüße von einer ‚Leidens’genossin (mit einem lächelnden Auge! Melanie

  7. ppfrieda Says:

    Hier sind auf jeden Fall alle Daumen und Pfoten für den 17. gedrückt! Vielleicht wirst Du ja positiv überrascht, Frieda hat das auch schon einige Male getan. 🙂 Uns selbst wenn nicht: Für mich seid ihr schon jetzt mein „Judges Choice“!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: